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Wir machen das mal: den Lounge Chair bauen

Der Lounge Chair aus der HORNBACH WERKSTÜCK Edition: Ein Designer-Stuhl zum Selberbauen. Ehrensache, dass unser Autor das mal macht. Diesmal ganz auf sich allein gestellt. Na gut, fast …

Text: Sascha Borrée | Fotos: Lucas Wahl

Als ich die ein mal ein Meter große Multiplexplatte zur Werkstatt schleppe, bin ich nervös. Der Grund: Das hier wird sowas wie mein Gesellenstück. Bisher stand mir ja immer ein echter Meister zur Seite. Denn: ein Beil schmieden, ein Surfbrett oder einen Schlitten bauen – ganz ehrlich, ohne Lehrer hätte ich das alles kaum hinbekommen.

Heute bin ich aber zum ersten Mal auf mich allein gestellt. Naja, so ganz auf mich allein dann doch nicht. Im Geiste bei mir ist der dänische Möbeldesigner Sigurd Larsen. Er hat den Lounge Chair, den ich jetzt bauen will, für die WERKSTÜCK Edition von HORNBACH entworfen. Rein praktisch gesehen wird der bloße Geist des Sigurd aber wohl keine große Hilfe sein. Dafür aber die Anleitung, die es im Buch zum Lounge Chair und auf der Hornbach-Website gibt.

Ich entscheide mich für die Online-Version: mein digitaler Meister sozusagen, der mir sagt, was zu tun ist, damit das Werk gelingt. Den Bauplan samt Schablone und Shoppingliste habe ich bereits heruntergeladen. Und ich war einkaufen – schlanke 125,25 Euro fallen an Materialkosten im Baumarkt an – die Schablone habe ich schon im Copyshop ausdrucken lassen. Mein eigener Drucker ist mit Format A0 dann leider doch überfordert.

Und jetzt geht es richtig los.

1. Mit Schere und Papier

Bohrer und Säge muss ich erstmal links liegen lassen: Ich rolle den riesigen Copyshop-Vordruck aus, greife zur Schere, schneide vier Schablonen zu. Fühle mich dabei etwas an meine Kindergarten-Tage erinnert. Die fertigen Schablonen lege ich auf die Buchen-Multiplexplatte, ich zeichne ihre Umrisse per Bleistift nach, wiederhole die Prozedur. Alle Schablonen dienen schließlich als Vorlage für je zwei Zuschnitte, je ein Teil wird später rechts beziehungsweise links am Stuhl verbaut.

2. Sägen, sägen, sägen

Endlich darf ich zur Maschine greifen: Zuerst säge ich mit der Stichsäge entlang der geraden Striche. Das dauert, macht mächtig Lärm und Sägespäne. Ich glaube ja, mit der Kreissäge wäre das schneller und leichter gegangen, mit Führungsschiene und etwas mehr Muskelkraft klappt es aber auch so. Feinmotorik ist danach an den äußeren Rundungen gefragt. Um die inneren Rundungen mache ich noch einen großen Bogen, hier kommt später der Forstnerbohrer ins Spiel.

Kreppband auf den Schnittlinien beim Sägen und ein Holzreststück unter dem Zuschnitt beim Bohren verhindern, dass die Werkstücke splittern oder ausfransen. Schließlich bringe ich noch zwei Rechteckleisten auf Länge, sie sind die Verbindungsstücke für die Zuschnitte aus der Multiplexplatte.

3. Bohren, schleifen, ölen. Schlafen gehen

Zuschnitte? Fertig! Naja, immerhin fertig zur weiteren Verarbeitung. An den markierten Stellen bohre ich die Löcher für die Schrauben, dann mit dem Kegelsenker die Vertiefungen, in denen später die Schraubköpfe verschwinden sollen. Anschließend schleife ich die Kanten und Oberflächen ab, behandle die Zuschnitte mit Hartöl, das dem Holz einen dunklen Braunton gibt. Sieht edel aus.

Ich bin zufrieden mit mir und diesem Tag, und weil das Öl ohnehin acht Stunden trocknen muss, sage ich erstmal: Gute Nacht!

4. Schrauben, schneiden, tackern

Der nächste Tag, die Montage steht an. Zuerst verschraube ich das Gestell für die Sitzfläche, es besteht aus zwei Seitenteilen und zwei rechteckigen Hölzern. Der Sitz selbst entsteht aus robustem Möbelgurt, den man sonst vor allem zum Transport sperriger Stücke verwendet. Raffiniert. Ich schneide zwölf jeweils 60 Zentimeter lange Stücke ab, die Enden flamme ich mit dem Feuerzeug ab, so löst sich hier auch später nichts auf.

Dann spanne ich eines nach dem anderen in zwei gegeneinander versetzten Lagen über das Gestell. Spannen, halten, festtackern oder mit Schrauben fixieren. Das bekommt man mit viel Geschick vielleicht alleine hin, deutlich entspannter ist es aber zu zweit. Ein großer Dank deshalb an Lucas, der bei diesem Projekt nicht nur fotografisch dokumentiert, sondern auch tatkräftig angepackt hat!

5. Endspurt mit Gurt

Die fertige Sitzfläche wird mit weiteren Werkstücken verschraubt, darunter Vorder- und Hinterbein, jetzt sieht das Ganze schon sehr nach einem Stuhl aus. Fehlt nur noch die Rückenlehne. Also: noch mal zwölf Stücke aus dem Möbelgurt zuschneiden, dann nach dem gleichen Prinzip wie beim Sitz am Gestell spannen, tackern. Hält bombig! Zuletzt schraube ich die zwei verbleibenden Holzzuschnitte als Sichtblenden vor die getackerten Gurtenden.

Und jetzt: letzte Sägespäne aus der Hose schütteln. Probe sitzen. Beine lang machen. Nicht nur richtig schick ist er, der Lounge Chair, sondern auch sehr gemütlich. Mit selbstkritischem Blick begutachte ich zum Schluss den fertigen Stuhl. Ja, klar, die eine oder andere Kante hätte man noch sauberer hinbekommen können, die eine oder andere Rundung doch noch einen Tick geschwungener. Trotzdem, ich bin glücklich mit meinem Werk.

 

 

Über den Designer

 

Sigurd Larsen ist ein dänischer Architekt und Möbeldesigner. Nach seinem Master-Abschluss an der School of Architecture der Royal Academy of Fine Arts in Kopenhagen und Stationen bei renommierten Architekturbüros gründete er 2010 sein Büro in Berlin.

Mit dem Lounge Chair für die HORNBACH WERKSTÜCK Edition beweist er, wie viel Stil und Eleganz man aus zunächst unscheinbaren Materialien herausholen kann. Und wie etwas Funktionales plötzlich zu etwas Besonderem wird.

Selber machen

Auch den Lounge Chair bauen?

Den digitalen Bauplan mit Anleitung gibt es unter hornbach.de/werkstueck-edition.

Das Buch zum Bauen inklusive Schablone und Echtheitsplakette ist im HORNBACH Onlineshop erhältlich.

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