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Wir machen das mal: Ein Beil schmieden

Ein Mann ohne Beil? Eine traurige Figur, findet unser Autor Sascha Borrée, und nimmt sich vor, selbst eins zu schmieden. Mit Schweiß, Schmerz – und am Ende auch Stolz

Text: Sascha Borée | Fotos: Lucas Wahl

Der Schweiß: rinnt von meiner Stirn. Der Stahl: heiß wie ein Tanz auf dem Vulkan. Ich tanze aber nicht, stattdessen schmiede ich. Schwinge den Hammer, komme mir vor wie Thor, der germanische Donnergott. Nur Schmiedemeister Nico sieht mich nicht ganz so heldenhaft. „Hau mal richtig drauf auf den Stahl“, motzt er, „damit du ihn formen kannst wie Knete.“

Wie Knete? So fühlt sich jetzt höchstens meine Oberarmmuskulatur an. Egal, ich hämmere. Hoffe, dass der Stahl schnell ausglüht. Dann muss er zurück ins Feuer. Und ich kann ausschnaufen, kurz.

Hau mal richtig drauf auf den Stahl!“

Nico Runge, Schmied

Zugegeben, heute ist das Beil etwas aus der Mode gekommen, jedenfalls als praktischer Begleiter im Alltag. Trotzdem, ein Mann ohne Beil? Irgendwie unvollkommen. Deshalb bin ich hier, bei Schmiedemeister Nico Runge in Bruchsal bei Karlsruhe. Nico kann das noch: Messer, Pfannen, Schwerter machen – oder eben Beile. Und er will es mir beibringen, im Eintages-Crashkurs. Also Kohle aufs Feuer, und los.

Schritt 1

Der Anfang von allem: ein Quader aus Stahl. Da muss erst mal ein Auge rein. Das Loch für den Stiel. Also Position bestimmen und beidseitig einkerben. Stahl ins Feuer schieben, mit einer Art Grillzange für Großwild, bis er hellgelb glüht, bei rund 1000, 1100 Grad Celsius. Rausholen, markierte Stelle finden, Meißel ansetzen, feste draufhauen. Absetzen. Gut getroffen? Wunderbar, dann weiter so. Sonst: mit dem nächsten Schlag korrigieren. „Wenn das Auge schief wird, kannst du dein Werkstück vergessen“, sagt Nico.

Selber_Schmieden_Schmiedehammer
Jetzt heißt es zuschlagen ... immer wieder!
Beil_Schmieden_Auge
Kontrolle nach Augenmaß: sitzt!

Schritt 2

Zwei Zentimeter dick ist der Quader. An einem Ende ist jetzt ein Auge drin, aus dem anderen muss ich die Schneide schmieden. Also gilt auch in diesem Arbeitsgang: draufhauen, bis das Ende breit und flach wird. Das Werkstück wandert dafür zurück ins Feuer, glüht gleich wieder auf. Raus damit, zuschlagen. Mit der Bahn, der dicken Seite des Hammerkopfs, lasse ich den Stahl in die Länge gehen. Ein Hieb mit der Finne, der schmalen Seite, treibt ihn in die Breite. Meine Muskeln brennen, Nico schüttelt den Kopf. „Wir brauchen ein anderes Werkzeug.“ Er hält mir einen riesigen Vorschlaghammer hin, greift selbst nach einem Handhammer, setzt ihn am glühenden Stahl auf. „Dein Hammer schlägt meinen, na los!“

Erstmal wieder den Metallquader zum Glühen bringen ...
Das glühend heiße Metallstück nimmt langsam Form an

Schritt 3

Irgendwann sieht mein Werkstück tatsächlich einem Beilkopf täuschend ähnlich. Damit der Stahl wirklich was aushält, wird er gehärtet und angelassen. Bedeutet: Stahl wieder aufheizen, im Wasser-/Ölbad abschrecken. Das Ganze ein paar Mal wiederholen.

Damit das Beil auch etwas aushält, muss es gehärtet werden

Schritt 4

Fehlt noch der Stiel. Nico hält mir eine Holzstange hin. Etwas zu dick ist sie. Also: Schleifmaschine anwerfen. Minuten später passt das Ding. Mit ein paar Hammerhieben treibe ich den Stiel durchs Auge. Keil und Metallring rein, passt.

Jetzt fehlt nur noch der Stiel ...
Achtung, scharf!

Schritt 5

Fertig? Fast. Die Schneide meines Beils ist noch stumpf wie eine Spielzeugschere. Wieder an die Schleifmaschine. Funken sprühen, bald glänzt die Schneide silbrig. Probe aufs Exempel, wie gefährlich ist das Ding? „Damit kannst du dich blitzeblank rasieren“, meint Nico. Und hat recht, das zeigt der Test am Unterarm. Aber was soll ich jetzt eigentlich machen mit dem guten Stück? Bisher bin ich ja auch ohne klargekommen. War am Ende alles umsonst, wird das Teil als Bürodeko enden? Auf keinen Fall! So ein Beil verpflichtet, es will verwendet werden. Wozu genau? Man wird schon sehen. Und wenn ich mir damit den Bart abnehme…

Ganz zum Schluss wird das Beil geschliffen – messerscharf
Das Lob hat sich Sascha hart verdient

Beil, Messer, Schwert selbst schmieden? Das geht. Bei Schmiedemeister Nico Runge. Eintägige Grundkurse ab 90 Euro.

Info unter: schmiede-erlebnis.de

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