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Wir machen das mal: Am Auto rumschweißen

Autoreparaturen sind so unnötig wie ein Kropf. Kosten viel Geld, und anschließend hält man rein gar nix in den Händen. Also besser selber machen: Krümmer selbst schweißen zum Beispiel. Thilo Mischke hat’s gewagt

Text: Thilo Mischke / Fotos: Meiko Herrmann

Mit unseren Autos halten wir es wie mit unseren Körpern. Eines Tages spüren wir: Da ist was anders, als es sein sollte. Fühlt sich anders an, klingt vielleicht auch anders. Meistens machen wir aber erstmal: nichts. Das Knie, es schmerzt. Egal, der Körper läuft noch. Der Auspuff, er klappert. Egal, das Auto fährt noch.

Wir fürchten die Konsequenzen, die Härte der Diagnose, das Worst-Case-Szenario. Also schieben wir die Dinge auf die lange Bank. Werden erst aktiv, wenn es echt schlimm ist, wenn es fast zu spät ist. Dabei könnten wir die Sache auch selbst in die Hand nehmen. Wir trauen uns oft nur nicht.

Ich kenne das. Wenn es rattert im Auto, warte ich bis zum nächsten TÜV-Termin. Der Prüfer schüttelt dann den Kopf, schickt mich fort, sagt, da müsse viel geflickt werden. „Hätte ich doch früher was unternommen“, denke ich, während ich mein klapperndes Auto – eigentlich ein Schmuckstück, ein Audi 80 von 1976 – in die teure Werkstatt fahre.

Alles wieder fit – Daumen hoch!

Muss das sein? Kann ich das nicht selbst machen? Wozu gibt es YouTube-Tutorials, Internet-Foren, Selbsthilfe-Werkstätten? Das bisschen Rumschrauben müsste machbar sein. Wenn da nicht das Schweißen wäre. Davor habe ich Respekt: Feuer, Funken, ein Tanz mit den Elementen – für mich sieht das aus wie Hexenwerk.

Schweissen kann jeder!“

Nikolas Chojnaki, Kfz-Mechatroniker

„Keine Angst, da gibt’s gar nichts zu befürchten“, sagt Nikolas Chojnacki, KFZ-Mechatroniker und helfende Hand in der Do-it-yourself-Werkstatt meines Vertrauens. Vertrauen ist vielleicht etwas übertrieben am Anfang. Ich traue allem noch nicht ganz. Wenn ich den Kolben ans Auto setze, geht der Wagen bestimmt in Flammen auf. „Unsinn, schweißen kann jeder“, sagt Nikolas. Man müsse nur ein paar Regeln beachten. Also los.

Schritt 1

Ich klemme die Batterie ab. „Die Gase, die hier austreten, könnten sich sonst beim Schweißen entzünden“, erklärt Nikolas. Man müsse aber nicht direkt an der Karosserie schweißen, die betroffenen Teile ließen sich auch vor der eigentlichen Arbeit ausbauen.

Zuerst die Batterie abklemmen
Auf Fehlersuche

Schritt 2

Was muss ich eigentlich reparieren? Ich suche den Defekt. An einem Teil, das aus dem Motor kommt, hängt ein gebrochenes Blech. So sage ich das. Der Profi sagt: Die Manschette am Krümmer ist gebrochen. Mein Glück: Wer nur sein Auto reparieren will, muss keine Fachbegriffe kennen.

Viel Rost, viel Dreck – ohne Lampe kein Durchblick
Das "Problemkind": die Krümmermanschette

Schritt 3

Ich reinige das Teil mit einer Drahtbürste. Unter rotbrauner Masse erscheint silbrig glänzendes Metall. Ich bin begeistert, lege dann die Sicherheitskleidung an. Wo geschweißt wird, fliegen Funken, und die brennen sich durch Kleidung oder in die Haut. Feuerfeste Kleidung ist deshalb Pflicht, genauso die Schweißermaske.

Die Schweißstellen werden mit der Drahbürste gereinigt
Schweißerbrille auf – es kann losgehen

Schritt 4

Endlich geht es los. Ich bringe eine Klemme an der Karosserie an. Auf der Spitze des Schweißgeräts sitzt ein dünner Draht, zusammen mit der Klemme soll er einen Stromkreis schließen. Also starten. Aber wie? Fragend blicke ich Nikolas an. „Mach Punkte“, sagt er. Wer an Karosserien arbeitet, sollte keine Nähte schweißen, weil die unter Belastung schneller reißen. Ich spüre, wie sich der Stromkreis schließt. Die Funken sprühen wie in einem Rammstein-Video. Es knattert, ein Ruck geht durch meinen Körper. Der Lärm verschreckt mich, ich verziehe, bringe Metall rot glühend zum Schmelzen. „Geh näher ran“, sagt Nikolas. Ich muss mich konzentrieren, kann durch die Brille kaum noch was sehen. Kriege aber mit der Zeit mehr Routine rein. Übung hilft auch hier. „Sieht ganz schön scheiße aus“, sagt Nikolas grinsend. „Macht aber nichts, wird seinen Zweck schon erfüllen.“ Na, toll.

Thilo versucht sich im Schweißen ...
... und es macht sogar richtig Spaß!

Schritt 5

Jetzt müsste die Schweißnaht nur noch mit einem Schleifgerät poliert und glatt geschliffen werden. „Muss nicht sein“, erklärt Nikolai, „sieht dann aber besser aus.“ Finde ich auch. Und verwische so die Spuren meiner zahlreichen Fehlversuche. Erst als ich wieder im Auto sitze, im städtischen Verkehr mitschwimme, jetzt ganz ohne lästiges Klappern, denke ich: Das Schönste am selbst Schweißen ist, dass es verbindet. Nicht einfach nur Metall mit Metall. Sondern jetzt auch mich mit meinem Auto.

Jetzt nur noch die Schweißnaht säubern und entgraten
Das Ergebnis sieht gut aus

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