Der Däne Ole Barslund Nielsen, einer der beiden Gründer des dänischen Unternehmens „Monstrum“, steht gemeinsam mit einem Kollegen vor Elementen eines der selbst gebauten Spielplätze in der Werkstatt in der Nähe von Kopenhagen

Bauen für das Kribbeln im Bauch

Die Spielplätze des dänischen Unternehmens „Monstrum“ sind alles, aber sicher nicht Standard. Ole Barslund Nielsen, neben Christian Jensen einer der beiden Gründer, gibt im Interview einen Blick hinter die Bau-Kulissen

Text: Clemens Bomsdorf | Fotos: Kasper Palsnov

Ole, hier in der Werkstatt wird gerade ein riesiger Wal gebaut, außerdem ein Wildschein und ein Apfel samt Schlange aus dem Paradies. Wo nehmt Ihr Eure Ideen her? Schaut Ihr Märchen und Disneyfilme, oder wie läuft das ab?

Nicht wirklich (lacht). Es ist doch immer schwer zu wissen, woher Inspiration kommt. Wir machen hier etwas, das wir alle selber wahnsinnig spannend finden. Bei dem, was herauskommt, ist es wie mit einem guten Geschenk: Da gibst Du auch etwas, das Du vielleicht gern selber hättest jemand anderem, dem es hoffentlich genauso gut gefällt.

Und wir sind irgendwie einfach gut drin zu wissen, woran Kinder Spaß haben. Ein Korpus ist wichtig, Höhenunterschiede, Dimension … Deshalb heißen wir auch „Monstrum“. Monster sind für Kinder einfach unheimlich spannend. Der Wal soll einmal 2,6 mal 11 Meter groß werden, das Wildschwein misst 4 mal 6 Meter. Das ist schon außergewöhnlich.

Der Däne Ole Barslund Nielsen inspiziert Teile eines selbst gebauten Spielplatzes in der Werkstatt von „Monstrum“, das sich in einem Gewerbegebiet westlich von Kopenhagen befindet
Ole baut das, was ihm gefällt: Abenteuerspielplätze

Kinder, die mit Holzklötzen bauen, fangen ja normalerweise einfach an, ohne großen Plan. Macht Ihr das etwa genauso?

Bei uns ist das etwas komplizierter. Unsere größte Konkurrenz sind Hersteller von Standardspielplätzen, die dem Kunden im Katalog vorab genau zeigen können, was sie bekommen und was es kostet. Das erwarten unsere Auftraggeber auch von uns, nur ist es bei uns mit mehr Arbeit verbunden, weil wir jeden Spielplatz individuell entwerfen und auch bei jedem Spielgerät die Sicherheit überprüfen und gewährleisten müssen. Da gehen wir also anders vor als Kinder. Aber vielleicht mit ähnlich viel Fantasie und Enthusiasmus.

Wenn ein Kind vor einer Kletterwand steht, dann soll das schon zu Magenkribbeln führen“

Ole Barslund Nielsen

Kann man überhaupt spannende Dinge bauen, wenn man immer auch die Sicherheit im Auge behalten muss?

Wir möchten vor allem dafür sorgen, dass Spielplätze nicht langweilig sind. Das geht nicht ganz ohne ein Gefühl von Gefahr. Wenn Kinder nicht motorisch und sensorisch herausgefordert werden, dann lernen sie nicht, Chancen und Risiken zu bewerten. Natürlich soll ein Spielplatz nicht gefährlich sein, aber eben fordernd – und dabei ein wenig gefährlich aussehen. Wenn ein Kind vor einer Kletterwand von uns steht, dann soll das schon zu Magenkribbeln führen. Wenn es auf einer großen Plattform steht und es mit der Rutsche ziemlich steil nach unten geht, genauso. Oder aber der Apfel, den wir gerade bauen – der ist eine Art dreidimensionales Labyrinth, nach dem Erkunden führt eine Rutsche die Kinder dann wieder nach unten. Und der Wal wird keine Kletterwand, die vorschreibt, wo genau es hochgeht. Man muss sich seinen Weg nach oben selber bahnen, um dann wieder runterzurutschen. In den Wal, das Wildschwein und den Apfel können die Kinder auch reinkriechen.

Du selber bist nicht etwa Ingenieur oder Schreiner, sondern bildender Künstler. Wie kam es, dass Du Spielplätze baust?

Unser Unternehmen gibt es jetzt seit rund 15 Jahren. Damals war ich in einer Elterngruppe des Kindergartens meines Sohnes, und wir sollten zusammen einen Spielplatz auswählen. Die Standard-Spielplätze, die wir finden konnten, waren weder für uns Eltern noch für unsere Kinder besonders ansprechend. Einfach nichts Außergewöhnliches. Beruflich arbeitete ich zu der Zeit mit Bühnenbildern im Theater und konnte gut sehen, dass eine Szenografie und ein Spielplatz viel gemeinsam haben. In beiden Fällen wird etwas Großes gebaut, das die Leute unterhalten soll: Es gibt eine Fassade, die eine Stimmung und Geschichte vermittelt, und eine Rückseite mit Funktionen.

Also probierte ich es einfach aus und entwarf meinen ersten Spielplatz: eine Rakete und einen Turm. Inzwischen sind wir ein Team von knapp 40 Leuten, das schon auf rund 230 gebaute Spielplätze zurückblickt. Kleinere können wir schon mal binnen zwei Monaten liefern, aber wir haben auch Projekte, die mehrere Jahre dauern.

Ein Wildschwein – 4 x 6 Meter – als Spielplatz: riesig – und ein wenig gefährlich. Die Kombination von Herausforderung und Gefahr ist für Ole Barslund Nielsen der dänischen Firma „Monstrum“ wichtig
Ein Wildschwein – 4 x 6 Meter groß – als Ort zum Spielen: schon ein wenig gefährlich

Eigentlich sieht das meiste in Eurer Werkstatt ziemlich bodenständig aus. Kann das jeder?

Das ist sicher für viele das Faszinierende daran. Wer in seine Garage schaut und sieht, was da so an Holz und Werkzeug rumliegt, denkt vielleicht schnell, dass er damit ähnliche Figuren bauen kann wie wir. Nur, um es dann perfekt zu machen, gehört dann noch mehr dazu. Eine Herausforderung ist zum Beispiel, organische und runde Formen mit graden Brettern zu bauen.  Nehmen wir das Wildschwein, bei genauerem Hinsehen erkennt man, wie kompliziert die Konstruktion ist. Und das ist ja nur die äußere Form. Im Inneren passiert ja auch viel, was geplant und umgesetzt werden muss. Es ist eben ein echtes Handwerk. Und genau das macht uns Spaß.

Mehr davon

Wer sehen möchte, was für einen Spielplatz Ole und Christian von „Monstrum“ als Nächstes bauen, kann ihnen hier folgen.

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