Pionier der Lüfte

František Hadrava hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Der gelernte Schlosser aus Vimperk in Tschechien hat sich innerhalb von zweieinhalb Jahren ein Flugzeug gebaut. Und ist damit in seiner Heimatstadt eine kleine Berühmtheit geworden

Text: Jendrik Hillebrecht | Regie: Jonas Julian Köck | Kamera: Jonas Julian Köck

Ein Flugzeug fliegen kann jeder. Aber auch selber eins zu bauen – das ist schon etwas anderes"

František Hadrava
František Hadrava trägt eine alte Fliegerbrille und Kopfbedeckung in seinem selbst gebauten Flugzeug
František mit historischer Fliegerbrille kurz vor dem Abflug

Die Leidenschaft

Im tschechischen Fernsehen liefen in den 1980er-Jahren zwei Sendungen über Flugzeuge in und vor dem Ersten Weltkrieg. František, damals neun Jahre alt, war begeistert. Sein Vorbild: der „Rote Baron“. Das war der Spitzname des Jagdfliegers Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen, der im Ersten Weltkrieg mit meist roten Dreideckern unterwegs war. Als Františeks Stiefvater ihn dann noch mit zu einem Flugtag nahm und er das erste Mal echte Flugzeuge sah, war es um ihn geschehen.

Während die anderen Kinder Fußball spielten, steckte František Modellflugzeuge zusammen. Sein Traum: Er wollte irgendwann selber in so einem Dreidecker durch die Luft fliegen und ein Held sein.

František betankt sein Flugzeug mit einem Benzinkanister
František tankt seinen Flieger vor dem Start

Auf Umwegen

Als Jugendlicher rückte sein Traum vom Fliegen in den Hintergrund. František wollte jetzt lieber Rockstar werden. Noch heute sieht er aus, als wäre er Teil einer Heavy-Metal-Band. Doch irgendwann reifte in ihm die sichere Erkenntnis, dass er schlicht nicht gut genug war für die große Bühnenkarriere. Und er erinnerte sich ans Fliegen.

Durch seinen Beruf – er arbeitete inzwischen als Schlosser für die Forstindustrie – war er handwerklich sehr fit geworden, und er begann mit dem Bau seines eigenen Flugzeugs.

Die Pläne für das Eigenbau-Flugzeug für eine Mini-Max-Maschine
In seiner Werkstatt baute er 2,5 Jahre nach Bauanleitung an seinem Eigenbau-Flugzeug

Der Plan

Als František sich nach der Arbeit jeden Tag in seine Werkstatt verzog – ein Bild des „Roten Barons“ an der Wand über der Werkbank vor Augen – und über der Bauanleitung für eine Mini-Max-Maschine brütete, belächelten ihn seine Nachbarn noch. Seine Schwester erklärte ihn für verrückt. Und auch er selbst zweifelte oft.

Es gab Momente, in denen es so aussah, als würde ich hinschmeissen. Ich war mir sicher, dass ich das Flugzeug nicht fertigstellen würde"

František Hadrava

Doch unterkriegen ließ er sich nicht: Ein Flugzeug zu kaufen und es nur fliegen wäre für František nie infrage gekommen. Er wusste, er musste es auch selber gebaut haben. Er wollte sich fühlen wie in der Pionierzeit – für František die aufregendste Phase in der Geschichte des Fliegens überhaupt, als niemand genau wusste, ob die Konstruktionen auch wirklich in der Luft bleiben würden.

František Hadrava sitzt in seiner Werkstatt und arbeitet ein Teil des Flugzeugs zurecht
Jedes Teil und jede Schraube hat František an seinem Flugzeug selber montiert

Den Motor bekam er von einem tschechischen Hersteller, den Fahrtmesser aus Russland, dazu einen polnischen Drehzahlmesser. Insgesamt arbeitete er zweieinhalb Jahre an dem Projekt, und dann stand sie vor ihm: seine „Vampira“. Nur 175 Kilogramm schwer und hauptsächlich aus Holz, wie er es sich immer gewünscht hatte. Sie qualmte und stotterte. Aber sie flog.

Letztendlich ist es mir gelungen. Und das hat mir Mut gemacht für weitere Projekte"

František Hadrava

Somit stand dem Pilotenschein nichts mehr im Weg. Denn den hatte František noch gar nicht. Um genau zu sein, hatte er bis dahin noch nicht eine einzige Flugstunde absolviert. Aber er wusste trotzdem genau, was zu tun war. Schließlich hatte er jede Schraube und jedes Teil selber montiert und sich schon jahrelang mit Flugzeugen beschäftigt.

Die Armaturen des Flugzeuges Vampira von František Hadrava
Seine „Vampira“ hat František nach der Bauanleitung einer Mini-Max-Maschine gebaut

Seine Arbeitskollegen fragten František irgendwann, ob er nicht auch mal zur Arbeit fliegen wolle. Gesagt, getan. Ein paar Tage später landete er auf der Wiese vor der Firma und zog den ultraleichten Flieger mit einer Hand auf den Parkplatz. Beobachtet von bewundernden Blicken. Wie ein Rockstar.

Die Freiheit

Nirgendwo fühlt František sich so frei wie in seinem Flugzeug, wenn er über die grünen Wiesen und Wälder in seiner Heimat fliegt. Manchmal muss er nur für ein paar Minuten in die Luft, um den Kopf frei zu bekommen. Ihm geht es nicht darum, die meisten Flugstunden in seinem Flieger zu haben. Er will vor allem die schönsten erleben.

Das hier ist kein Hobby mehr, das ist ein Lebensstil"

František Hadrava
František Hadrava fliegt in seinem selbst gebauten Flugzeug über Vimperk
František in einem seiner selbst gebauten Flugzeuge

Noch mehr Höhenflüge

Angespornt durch das Erfolgserlebnis hat František
inzwischen ein zweites Flugzeug gebaut. Einen Eindecker mit nur einer Tragfläche, silbern lackiert wie sein Erstlingswerk „Vampira“.

Ein nächstes Projekt hat er auch schon im Visier: eine französische Deperdussin aus dem Jahr 1911. Die Maschinen hat František Hunderte Male in Filmen wie „Die tollkühnen Männer und ihre fliegenden Kisten“ (1965) gesehen. Seitdem lassen sie ihn nicht mehr los.

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