Ein altes nachgestelltes Bild vom ersten Bau von einem Heissluftballon;

Mit Luft in die Luft

Der Traum vom Fliegen ist fast so alt wie die Menschheit. Die Brüder Joseph und Jacques Montgolfier wollten aber nicht mehr bloß träumen – und erfanden den Heißluftballon

Text: Esther Acason | Foto: Bridgemanimages.com

Fliegen wollte der Franzose Joseph Michel Montgolfier. So sprang er 1777 vom Dach seines Hauses in Frankreich – mit einem Fallschirm. Doch das genügte ihm nicht. Er wollte mehr, wollte höher und weiter. Eine luftdichte Hülle wollte er bauen, gefüllt mit „leichter Luft“, um sie aufsteigen zu lassen. Erste Experimente mit Wasserstoff schlugen jedoch fehl. Joseph holte seinen Bruder Jacques Étienne dazu, erfahren in den Naturwissenschaften und der Architektur. Auch der begeisterte sich bald für den Traum vom Fliegen.

Die Brüder Joseph Michel und Jacques Étienne Montgolfier haben ein riesiges Luftfahrzeug entworfen, den ersten Heißluftballon
Die Brüder Joseph Michel (li.) und Jacques Étienne Montgolfier, die Erfinder des Heißluftballons
© imago/Leemage

Gemeinsam konstruierten die Brüder eine kugelförmige, robustere Stoffhülle, spannten ein Netz aus Schnüren darum, um ihr noch mehr Stabilität zu verleihen. Im Dezember 1782 sollte es soweit sein. Sie verbrannten Wolle und Heu, ließen den Rauch in den Ballonsack ziehen, und tatsächlich: Er erhob sich. Dass der Auftrieb nicht durch den Rauch, sondern die Wärme in der Luft kam, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es zählte, dass es funktionierte. Weil das aber leider keiner mitbekommen hatte, wagten sie am 4. Juni 1783 ein neuen Versuch, diesmal vor Publikum und mit einem verbesserten Ballon aus Leinen, der mit Papier abgedichtet worden vor. Die Leute staunten nicht schlecht: Der Ballon – zwölf Meter Durchmesser – stieg bis auf fast 2.000 Meter Höhe und flog knapp zwei Kilometer weit, bevor er zu Boden sank. Eine Sensation, von der auch der französische König Ludwig XVI. erfuhr. Er lud die Montgolfiers zu einer Vorführung ein.

Am 19. September 1783 ließen sie ihr Luftgefährt vor den Augen des Königs am Schloss Versailles aufsteigen. Mit drei tierischen Passagieren: einem Hammel, einer Ente und einem Hahn. Der Flug dauerte acht Minuten, die Tiere überlebten. Jetzt sollten auch Menschen fliegen, so wünschte es der König. Und er wollte sichergehen, dieses Ziel zu erreichen. Er beauftragte gleich mehrere Personen damit, Flugversuche mit selbst gebauten Heißluftballons zu starten. Und so hoben am 21. November 1783 nicht die Montgolfier-Brüder als erste menschliche Luftfahrer ab, sondern der Physiker Jean-François Pilâtre de Rozier und der Offizier François d’Arlandes. Ihr Ballon hielt sich stolze 25 Minuten in der Luft und legte dabei neun Kilometer zurück.

Und die Brüder Montgolfier? Sie sind tatsächlich nie selbst in ihrem Heißluftballon geflogen. Vielleicht ihrer Familie zuliebe, die zumindest Joseph Michel nach seinem Fallschirmsprung verboten hatte, jemals wieder ein solches Abenteuer zu wagen. So blieben die Brüder auf dem Boden – und entwickelten gemeinsam ein Verfahren zur Herstellung von Transparentpapier. Joseph Michel arbeitete außerdem 1796 an der von John Whitehurst erfundenen Wasserpumpe „Pulsation Engine“ weiter. Das Ergebnis: Der hydraulische Widder. Auch nicht schlecht.

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