Marc Schanne aus Rülzheim neben seinem selbst gebauten Tandur-Ofen, einem mit Gas betriebenem Outdoor-Ofen

Meisterwerk:
Der Tandur-Ofen

Es gibt so viele gute Ideen. Und oft geht es gleich vor der Haustür damit los. Das MACHER-Meisterwerk feiert die Macher von nebenan

Text: Esther Acason | Fotos: Marc Schanne

Georgisches „Tonis puri“ ist das Lieblingsbrot von Marcs ältester Tochter Lea. Gebacken wird es in einem speziellen Outdoor-Ofen: einem Tandur, auf Georgisch „Tone“. Das Problem: Die vierköpfige Familie fährt selten nach Georgien, der Heimat von Marcs Frau Eka. Die Lösung: selbst einen Tandur bauen. Um jederzeit frisches Brot backen zu können.

Eine Herausforderung für Marc, 45, Software-Ingenieur aus Rülzheim in Rheinland-Pfalz. Handwerkliche Erfahrung hat er zwar schon. Bisherige Bilanz: ein Terrassenbrunnen und kleinere Gartenprojekte. Doch ein georgischer Tandur, das ist eine ganz andere Nummer. Beim Bau kann man vieles falsch machen. Marc recherchiert im Internet. Er lernt: Vor allem die Gefahr eines Hitzestaus im Ofen ist nicht zu unterschätzen. Er lässt sich nicht unterkriegen. Tauscht sich mit Communitys für Outdoor-Öfen aus. Beschließt: Ein Gasofen mit herkömmlichen Materialien aus dem Baumarkt soll es werden. Alles andere wäre zu aufwendig und zu teuer.

Georgisches ‚Tonis puri’. Das kann ich doch selber backen. Im eigenen Outdoor-Ofen“

Marc Schanne

Er entwirft einen exakten Plan. Beginnt mit dem Bau. Ganz pragmatisch, Schritt für Schritt. Gießt ein kleines Betonfundament, 20 Zentimeter tief. Der Ofen soll stabil stehen und lange halten. Immer an seiner Seite: Tochter Lea. Mal mit Sicherheitsabstand, mal ganz nah – zum Anreichen des Werkzeugs.

Knifflig wird’s bei der Befeuerung. In Georgien wird meist Holz benutzt. Das kommt für Marc nicht infrage – zu viel Dreck hinterher. Er schaut sich im Baumarkt um und wird fündig: ein frei stehender Gasbrenner, der sonst auf einer Dreibeinkonstruktion für Paella-Pfannen genutzt wird. Hohe Leistung bei nur 38 Zentimeter Durchmesser. Perfekt.

Auf der Mauer, auf der Lauer

Marc mauert um den Gasbrenner ein paar feuerfeste Schamottesteine, um die Wärme zu speichern. Obendrauf ein Flammenblech und lose Lavasteine. Die sorgen dafür, dass die Hitze gut verteilt wird und sich nicht staut. Über die Konstruktion stellt Marc einen umgedrehten Terrakotta-Blumentopf. Extrem hitzebeständig. Muss er auch sein: Im Inneren wird es mehr als 300 Grad Celsius heiß. Passt.

Der Brennraum steht. Jetzt noch isolieren, um die Hitze zu halten. Mit Steinwolle und Hasendraht um Blumentopf und Schamottesteine. Vorteil: Die Tandur-Hitze strahlt nicht auf die Umgebung ab. Plus: Die Befeuerung mit Gasbrenner ermöglicht, kontinuierlich nachzuheizen.

Zwischendurch gebrauchte Backsteine rund um die Konstruktion hochziehen. Dadurch wird der gedämmte Brennraum geschützt. Und die Propangas-Flasche für den Gasbrenner daneben bleibt trocken.

Backe, backe … Brote

Sieht schon gut aus, findet Lea. Doch Brot backen kann man damit noch nicht. „Ein bisschen musst Du Dich noch gedulden“, sagt der Papa – und füllt den Freiraum bis zur Ummauerung mit einer Perlite-Feuerzement-Mischung. Der Leichtbeton schließt den gedämmten Feuerraum ein, dämmt noch mal zusätzlich und dient als Basis für das Mosaik. Jetzt ist Leas Einsatz gefragt: Sie verschönert die gesamte Oberfläche mit Mustern aus Fliesenbruch. Willkommener Nebeneffekt: Das Mosaik erleichtert das Ablaufen von Regenwasser. Der Tandur soll schließlich möglichst lange halten, bei Wind und Wetter.

Drei Tage später: Der Ofen ist fertig, Lea bekommt ihr „Tonis puri“. Frisch gebacken. Damit geht die Zeit bis zum nächsten Georgien-Besuch schneller rum. Und Marc? Ist stolz wie Bolle – und überlegt sich schon das nächste Bauprojekt.

Der selbst gebaute Tandur-Ofen von Marc Schanne

Marcs Tandur in Zahlen:

  • Maße: 140 cm × 100 cm × 75 cm
  • Materialpreis: ca. 350 Euro
  • Planung: rund ein halbes Jahr
  • Arbeitszeit: knapp drei Tage

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