Mike Bolz aus Wolfsburg steht in seiner Werkstatt und hält seinen selbst gebauten E-Bass, „Hornbass“ genannt, in den Händen

Meisterwerk: Der Hornbass

Es gibt so viele gute Ideen. Und oft geht es gleich vor der Haustür damit los. Das MACHER-Meisterwerk feiert die Macher von nebenan

Text: Esther Acason | Fotos: Roman Pawlowski

Mike Bolz’ Leidenschaft: mit Holz arbeiten – und abrocken. Am liebsten am E-Bass. Wie der Bassist von Metallica. Die Idee: beide Leidenschaften verbinden. Einen eigenen E-Bass bauen. Gesagt, getan? Nicht ganz.

Theoretisch war es einfach, praktisch nicht. Einen günstigen Bass komplett zerlegen, viele Gitarrenbauer nerven. Immer wieder fragen: „Wie geht das? Wie macht man das?“

Mike ließ sich nicht abbringen. Auch nicht durch Fehlversuche. Endlich fertig, sein erster E-Bass. Das war vor 30 Jahren.

Rund 30 Gitarren und E-Bässe später – selbst gebaut, umgebaut, restauriert. Äußerlich ist Mike ruhiger, gediegener. Arbeitet als Architekt und Bauleiter. Innerlich noch immer der alte Rocker. Und sucht stets nach dem nächsten Bauprojekt: ungewöhnlich. Verrückt. Anders. Hauptsache, mit Holz.

Bass, Bass – wir brauchen (E-)Bass

Dieses Mal will er weitergehen. Allen beweisen: Man kann auch gewöhnliche Materialien verwenden, um einen schönen E-Bass herzustellen. Der dann auch noch super klingt. Mit Material vom Baumarkt geht’s bestimmt auch. Kann sich jeder kaufen. Denkt sich Mike. Tigert durch die Gänge, stößt auf Terrassendielen. Aus Esche, Bambus, Douglasie. Thermo-Hölzer, bestens geeignet für den Instrumentenbau. Die richtige Feuchtigkeit, extrem wenig Harze. Das Gewicht für den Bau eines leichten Instruments passt auch. Sollte funktionieren, entscheidet Mike. Schreitet mit drei Dielen zur Kasse – und zur Tat.

Machen, um es krachen zu lassen

Er entwirft etliche Skizzen, verwirft sie wieder. Endlich passt es, und er baut Schablonen aus Sperrholz für Korpus und Hals. Sägt die Einzelteile grob aus, baut den Korpus: leimt Boden- und Deckenhölzer – aus heller Douglasie und dunkler Thermo-Esche – zusammen. Schneidet den Korpus großzügig aus, fräst Rundungen. Passt. Fehlt noch ein Fach für die Elektronik, wieder geht’s an die Fräse. Dann ist der Hals dran. Ziemlich kompliziert: neun Holzschichten – Thermo-Esche und Thermo-Bambus mit ein paar dünnen Furnierstreifen Ahorn für zusätzliche Stabilität dazwischen – auf die richtige Stärke sägen, hobeln, zusammenleimen. Per Hand die idealen Rundungen und Radien des Halses ausarbeiten. Die Form der Kopfplatte festlegen und fräsen. Eine Heidenarbeit. Trotzdem: weitermachen! Korpushälften mit dem Hals verleimen, Halsstab einfräsen.

Nächster Schritt: Das Bambus-Griffbrett auf den Hals leimen. Fehlt noch die Technik: Stimmmechaniken, Tonabnehmer und Saitenhalter in den Korpus einbauen. Und die ganze Elektronik verlöten. Klingt so einfach. Dauert aber lange: Mike probiert fünf Elektroniken, zehn Tonabnehmer aus. Klingt nicht. Nicht für Mike, den Perfektionisten. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wie der Bass klingen soll. Entscheidet: Er baut die Saitenhalter am Korpus aus Messing selbst, die erzeugten den richtigen Druck auf den Piezo-Tonabnehmer. Auch Teile der Elektronik entstehen in Eigenregie: Er schmeißt Bauteile aus Elektroniken raus, lötet andere Komponenten ein. Endlich ist er da, sein Wunschsound: wohlig warm, schnurrend, wie ein toller, bundloser Bass klingen soll. Zum Schluss der Feinschliff mit mehrfacher Ölung und Politur. Passt.

Das rockt!

Nach drei Monaten Arbeit: Mikes erstes Mal am „Hornbass“. Der Sound haut ihn um. So hat Mike sich das vorgestellt. Ein Klang mit lang anhaltendem Ton, durchsetzungsstark. Perfekt, vor allem für Rockklassiker der 80er und 90er. Rocker bleibt halt Rocker. Auch ohne lange Haare.

Der selbst gebaute E-Bass, „Hornbass“, von Mike Bolz

Mikes „Hornbass“ in Fakten:

  • Maße: ca. 1,15 m lang, 35 cm breit an der breitesten Stelle des Korpus (Standard-Mensur von 34 Zoll)
  • Materialpreis: rund 150 Euro
  • Arbeitszeit: rund drei Monate (nebenbei, an Wochenenden, abends und nachts)

19 Kommentare

  • BauFrau
    Unglaublich gut was dieser Mann aus den Hornbach Materialien gezaubert hat. Ich bin überwältigt. Die Kombination aus Baumaterialien und Musik ist der Hammer. Ganz großes Kino.
    • Redaktion
      Sehen wir auch so :-)
  • Chris
    So wer baut jetzt ne Gitarre und n Drumset? Dann könnte man schön n Werbemusikvideo drehen im Baumarkt. Die Hornband oder die Horni‘s... ich arbeite auf n Bau und würde singen 😛
    • Redaktion
      Die Idee lassen wir uns mal durch den Kopf gehen ;-)
    • Mike Bolz
      Super Idee! Die Hornguitar und ein Horn-Cajon könnte ich auch noch bauen. Dann wäre die Hornband startklar ;-) und kann auf Baumarkt Tour gehen...
  • JW
    Interessant wären noch die Werkzeuge/Maschinen die dafür verwendet wurden.
    • Redaktion
      Es freut uns, dass Du so großes Interesse an dem Projekt hast. Mit einer Liste können wir gern aushelfen. Diese Werkzeuge hat Mike verwendet:

      - Tischkreissäge
      - Stichsäge
      - Kleinen, kombinierten Abrichten/Dickenhobel
      - Handhobelmaschine
      - Bohrmaschine/Standbohrmaschine
      - Oberfräse
      - Dekupiersäge
      - Excenterschleifer
      - Schleifhexe
      - Diverse Handwerkzeuge

      Viel Erfolg beim Nachbauen. Wenn Du Dein Projekt erfolgreich abgeschlossen hast, schick uns doch gern ein paar Bilder oder einfach Dein ganz persönliches Feedback. Das würde uns sehr interessieren.
  • Julian
    Gibt es Furniere bei Hornbach?
    • Redaktion
      Wir haben Furnierschichtholz. Klasse Furniere haben wir nicht im Sortiment. Was brauchst Du denn genau?
  • Julian
    Ich baue auch hobbymäßig gitarren, dafür suche ich immer wieder furniere in mahagoni, erle, esche und ahorn. Gerne auch stark gemasertes holz wie riegelahorn, maserpappel oder obstbäume. Für halbakustik Instrumente brauche ich Starkfurnier im 4-6mm Bereich.
    • Mike
      Schreib mich mal an. Ich kann dich mit Furnieren versorgen. Grüße, Mike. www.rabenberger.com
  • Tom Meyer
    Ich frage mich, wie Mike den knurrigen Sound hinbekommen hat. Ich habe schon einige Bässe von der Stange zu Fretless-Varianten umgebaut, aber dieser Sound wollte sich nie einstellen. Das frustriert ein bisschen.
    • Mike
      Können uns gerne mal treffen und du bringst mal einen Bass mit. Das bekommen wir bestimmt hin.
    • Tom Meyer
      Das ist wirklich großzügig von dir - leider macht es mir die Wegstrecke, die zwischen uns liegt, eher unmöglich.
  • McMuffin
    Wenn ich an Instrumente denke, die Horn im Namen tragen, muß ich an das Schiff Naglfar, aus den Nägeln der Toten in Helheim gebaut, denken.

    Keine Ahnung weshalb...
  • burghi
    nachmacher ;-) *Spaß*
    das obere Hörnnchen kommt mir doch sehr bekannt vor :-D
    mein selfmade und -designed bass:
    https://www.granrey-guitars.com/de/instrumente/e-baesse/tentigo5string.html
    • Mike
      @ burghi - Meins ist länger :-) *auch Spaß* Sehr schicker Bass von dir! Gefällt mir unheimlich gut.
  • Bia
    Super sound mich würde interessieren machst du nur Bass oder auch "normale Gitarren" benötige eine für meine Tochter gerne auch
    Handgemacht
    • Mike
      Hi Bia. Schreib mir am Besten mal. www.rabenberger.com Gruß, Mike.

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