Marke Eigenbau:
5 verrückte Häuser

Grandios, sagen manche. Bescheuert, sagen andere. Genau richtig, sagen Macher. Ferdinand Cheval, Foster Huntington und die anderen hier haben ihre Traumhäuser gebaut – ohne sich um Konventionen zu scheren

Text: Esther Acason | Beitrags- und Teaserbild: Hemispheres/laif

 

1. Der ideale Palast, Frankreich

Ferdinand Cheval (1836–1924) war Postbote. Und er wollte sich sein eigenes Grabmal errichten. 33 Jahre lang arbeitete er im südfranzösischen Hauterives am „Palais idéal“, seinem idealen Palast. Unter der Erde baute er eine Gruft mit Labyrinth. Über der Erdoberfläche entstand – inspiriert von Bildern auf Postkarten und in Zeitschriften, die er tagtäglich zustellte – ein bizarres Gesamtkunstwerk, eine Mischung aus Hindutempel, Moschee und der Höhle der Jungfrau Maria. Auf Torbögen, Türmen und der Fassade treffen Löwenfiguren auf Geparden, Elefanten, Hirsche. Mittendrin ist Julius Cäsar zu erkennen, ein gehörnter Dämon – und Adam und Eva. Pilger wandern zwischen Fabelwesen bis zur Spitze des Palastes.

Das Baumaterial für seinen Palast, reichlich Steine, entdeckte er auf einer seiner Briefträger-Routen am Wegesrand. Jeden Tag transportierte er einen Teil davon über 30 Kilometer nach Hauterives. Zunächst in seinen Taschen, dann in Körben, schließlich mit seiner selbst gebauten Schubkarre.

Erst nach der Vollendung seines Werkes erfuhr Cheval, dass er sich den falschen Platz für sein Grab ausgesucht hatte: Laut Gesetz darf eine Bestattung nur auf einem Friedhof erfolgen. Also begann er von vorn und baute auf dem örtlichen Friedhof einen Ableger seines Palastes: Nach seinem Tod, 12 Jahre später, konnte er in seinem „Grab der Stille und der Erholung“ beigesetzt werden.

Credit: Getty Images

 

2. Das Baumhaus auf dem Vulkan, USA

Ein Baumhaus allein reichte ihm nicht. Zwei sollten es sein, miteinander verbunden durch eine Hängebrücke. Der Fotograf und Filmemacher Foster Huntington begann 2014 mit dem Projekt „The Cinder Cone“ (deutsch: „Der Aschekegel“) auf dem gleichnamigen kleinen vulkanischen Berg in Skamania County im Bundesstaat Washington. Hier wollte er seinen Kindheitstraum verwirklichen. Mit Freunden machte er sich ans Werk.

Gemeinsam bauten sie ein Baumhaus, dessen Dimensionen weit über Huntingtons ursprünglichen Plan hinausgingen: Sie statteten das Innere des Baumhauses komplett aus, mit Bett, Tisch, Stühlen und Bücherregalen. Außerdem sorgten sie für Strom und bauten einen kleinen Ofen ein. Zu Füßen des Doppelbaumhauses errichteten sie einen riesigen Skaterbowl für die warmen Nächte und ein feuerbeheiztes Badefass für die kalten – all das vor der malerischen Bergkulisse des Skamania County. Ein Jahr dauerte der Bau des luxuriösen Baumhauses, das bis heute von Huntington und seinen Freunden genutzt wird.

Credit: Kyle Johnson/The NewYorkTimes/Redux/laif

 

3. Das Drina-Flusshaus, Serbien

Ein Haus auf einem Felsen, mitten in der Drina, dem Grenzfluss zwischen Serbien und Bosnien und Herzegowina. Auf diese verrückte Idee kamen ein paar Kajakfahrer. Ein Jahr zuvor hatten Jugendliche nach einem Platz gesucht, wo sie sich am Flussufer sonnen konnten, und kurzerhand aus den Brettern eines ausgedienten Schuppens eine Liegeplattform gebaut: das perfekte Fundament. Die Kajakfahrer errichteten darauf 1969 eine Schutzhütte für Wasserwanderer.

Kleinere Bretter transportierten sie mithilfe von Booten und Kajaks auf die Felseninsel, größere ließen sie flussaufwärts ins Wasser gleiten und fischten sie an der Insel wieder heraus. Neben dem großen Sonnendeck verfügt das Haus lediglich über ein kleines Zimmer im Innern. Seit dem Bau wurde das Flusshaus mehrmals vom Hochwasser fortgerissen, aber immer wieder neu aufgebaut.

Credit: mauritius images/Serbia Pictures: Adam Radosavljevic/Alamy

 

4. Das Bierdosenhaus, USA

Rund 50.000 Dosen hatte John Milkovisch gesammelt – doch lange Zeit wusste er nichts mit ihnen anzufangen. Bis er Anfang der 1970er-Jahre die zündende Idee hatte: Milkovisch schnitt die Bierdosen auf, drückte das Metall platt und begann, die Fassade seines Hauses in Texas damit zu verkleiden. Weil ihm das nicht reichte, machte Milkovisch aus dem Metall der Dosen auch noch Girlanden und hängte sie als Windspiel an das Dach des Hauses. 18 Jahre lang dekorierte er die Fassade des Hauses mit den Dosen und freute sich über die erstaunten Reaktionen der Passanten.

Nach Milkovischs Tod Mitte der 1980er-Jahre lebte seine Frau Mary weiterhin im Haus, ihre Söhne kümmerten sich um die Instandhaltung. Nachdem auch Mary Milkovisch 2002 verstorben war, erwarb und restaurierte die gemeinnützige Kunst-Organisation „The Orange Show“ das Haus. Seitdem ist es öffentlich zugänglich und kann besichtigt werden.

Credit: Mauritius images/Ian Dagnall/Alamy

 

5. Das höchste Holzhaus, Russland

Keine Baupläne, keine Baugenehmigung, keine Erfahrung: Nikolai Sutyagin wollte das Gebäude seiner Nachbarn an Höhe übertreffen – mit einem Holzhaus, das 13 Stockwerke weit in den Himmel ragt. 1992 begann er im nordrussischen Archangelsk mit dem Bau eines Holzhauses, inspirieren ließ er sich von schlichten japanischen und norwegischen Holzhäusern. Nach 15 Jahren Bauzeit war das Gebäude 44 Meter hoch – und damit das zu dieser Zeit höchste Holzhaus der Welt.

Der Rekord-Bau kam aber nicht überall gut an: Einige Nachbarn protestierten und nannten das Haus „Monster“. Die Stadtverwaltung von Archangelsk befand, das Gebäude sei brandgefährdet, ein im Haus entfachtes Feuer könne den gesamten Ort zerstören. Nikolai Sutyagin, der bereits vorbestraft war, landete für vier Jahre im Gefängnis und konnte sein Haus nicht fertigstellen.

Während und nach seiner Haftzeit verfiel das Haus zusehends – bis die Behörden 2008 beschlossen, es abzureißen. Obwohl große Teile des Hauses bereits abgebaut waren, wohnte Sutyagin mit seiner Frau auf den verbliebenen unteren beiden Stockwerken. Doch 2012 fing das einstige Riesenhaus tatsächlich Feuer und brannte komplett ab. Bis heute wurde es nicht wieder aufgebaut.

Credit: Andy Adams/Polaris/laif

4 Kommentare

  • Nora Tsiknakos
    Das sind tolle und beeindruckende Häuser!
    Ihr seid aber viel zu sehr in die Ferne geschweift!
    Schaut Euch mal die Iserhatsche im Heidekreis an! Sogar mit eigenem Vulkan...

    Gruß Nora
  • darmispektor
    nett aber in Deutschland nicht umsetzbar, da stehen viel brand und bauvorschriften im weg...
  • Cy
    Für großartige Baumhäuser, schräge und phantasievolle Architektur in Deutschland empfehle ich die Kulturinsel Einsiedel. Inclusive Baumhaushotel
  • RG
    in spanien in der region zw valenzia und alicante steht ein haus komplet aus ganzen flaschen gemauert.
    das sieht auch mega aus.

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