TREPP, eine Aussichtsplattform aus Holz, steht im Sumpfgebiet Tuhu im Westen Estlands. Im Winter eingerahmt von einer Schneelandschaft

Gute Aussichten

Tuhu, ein riesiges Sumpfgebiet im Westen Estlands. Wer es erkunden wollte, musste bislang einem schmalen Holzsteg folgen. Dann kam die „Trepp“

Text: Esther Acason | Fotos: Estonian Academy of Arts Interior Architecture Department, ie TREPP. Tõnu Tunnel. Estonian Academy of Arts Interior Architecture Department

Das Werk

Trepp, das ist eine acht Meter lange Holzkonstruktion, am höchsten Punkt fünf Meter hoch. Sie steht mitten in Tuhu, einem der größten Sumpfgebiete im Westen Estlands, zehn Kilometer vom Meer entfernt. Besucher, die auf die 16 Quadratmeter große halbrunde Holzpromenade steigen, erwartet eine beeindruckende Aussicht auf die raue Landschaft: So weit das Auge reicht, gibt es hier Moor und Wälder. Oft von Schnee bedeckt. Außerdem leben in Tuhu viele teils bedrohte Vogelarten wie Kraniche, Moorhühner oder die Uferschnepfe, die sich von Trepp aus gut beobachten lassen.

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Die Vorgeschichte

Seit 2014 beginnt am Estonian Academy of Arts Interior Architecture Department jedes Jahr im Januar ein Kurs – unterstützt durch die Architekten des Büros b210 und das „Estonian Forest Management Centre“ (RMK): Die Erstsemestler sollen einen relativ kleinen, kostengünstigen Bau planen und im darauffolgenden Sommer selbst umsetzen. Prämisse: Das Projekt muss sich in die Landschaft einfügen.

2017 war dieses Projekt eine Aussichtsplattform für Tuhu. Denn bis dahin führte lediglich ein zwei Kilometer langer Holzsteg durch die Sumpflandschaft.

Die Anforderungen an die Studenten: Der Ausguck sollte leicht zu erreichen sein, aber dennoch abgelegen und ruhig. Außerdem mussten sie eine Konstruktion entwickeln, die den extremen Wetterbedingungen der Region – neben Temperaturschwankungen zwischen +25 C° und –25 C° ist das Gebiet mehrmals im Jahr überflutet – standhält.

Die Planung

Die 14 Studenten machten sich an die Arbeit. Unterstützung erhielten sie von ihren Tutoren: einem Ingenieurbüro, einem Berater für Holzarbeiten und von vier Architekten vom Architekturbüro b210, darunter Mari Hunt. „Wir haben den Studenten in Tuhu gezeigt, wie man die Natur, die Sumpflandschaft und das Moor liest“, erklärt Mari. Und wie man eine Plattform entwickelt, die sich in diese Gegebenheiten einfügt.

Das Zwischenergebnis: 14 Projektideen von 14 Studenten. Jede einzigartig. Gemeinsam mit den Tutoren entschieden sie, welches Projekt am schnellsten und unkompliziertesten umgesetzt werden konnte. Dann ging es an die Arbeitsteilung: Wo liegen die Stärken im Team? Wer ist wofür verantwortlich? Nachdem das geklärt war, konnten die Studenten mit dem Bau beginnen.

Die Umsetzung

Neben Teamgeist benötigten die Studenten jede Menge Baumaterial. Kostenpunkt: rund 10.000 Euro. Den Großteil des Baumaterials schnitten sie im Sommer in einer Holzwerkstatt in Viljandimaa zu, rund 100 Kilometer vom Sumpf in Tuhu entfernt. Vor Ort montierten sie das Holzgerüst innerhalb weniger Wochen. Dann ging es an den Feinschliff: An den Seiten des Aufgangs brachten die Studenten halb transparente weiße PVC-Planen an. Schmetterlinge und Insekten können dort ruhen, abgeschirmt von den Besuchern. Plus: Durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten, Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf den Planen verändert die Plattform ihre Farbe. Auch im Inneren. Der Effekt: Während der Besucher die Stufen von Trepp erklimmt, hat er eine eingeschränkte Sicht nach draußen, trotzdem gibt es einiges zu sehen. Am höchsten Punkt der Aussichtsplattform enden die Planen, und der Blick auf die weite Sumpflandschaft Tuhus ist frei.

Im Herbst 2017 war alles fertig. Und die Studenten bemerkten: Aus größerer Entfernung erkennt man Trepp kaum als Bauwerk. Es wird eins mit der Natur. Besonders in den Monaten mit Schnee. Der liegt durchschnittlich rund vier Monate im Jahr.

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