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Das Wasser schießt durch die Rinne und lässt die Steine über die Gummilamellen tanzen

Gold, Digger!

Früher träumte Gernot Piechura von Piratenschätzen und suchte mit einer Metallsonde nach versteckten Münzen. Heute wäscht er Gold in Europas Flüssen. Und das, obwohl er weiß: Reich wird er davon nie

Text: Fritz Schaap | Fotos: Fabian Weiss

Gold suchen will Gernot Piechura. Am Rammelsberg, an dessen Hängen ein altes, ehrwürdiges Erzbergwerk von der Fruchtbarkeit des Berges zeugt. Er hat gehört, dass es dort ein paar gute Bäche geben soll, oben an der Okertalsperre. Deshalb ist er hier. Deshalb steht er einige Kilometer außerhalb Goslars an einem Bach. Zum Prospektieren, dem ersten Schritt der Goldsucher, dem Auskundschaften von vielversprechenden Stellen zum Goldwaschen. Die Sonne klettert gerade über die Wipfel der Bäume. Gernot liebt die Einsamkeit dieser Momente, und doch ist er nur einer von Tausenden, die Gold in Europas Flüssen waschen.

Der Harz ist keine der von Gernot favorisierten Regionen. Aber wie alle Goldsucher verrät er seine Lieblingsstellen nicht. Goldsucher, das sind einsame Cowboys. „Eigenbrötler“, sagt Gernot. Männer, die nicht verraten wollen, wo man ein paar Milligramm mehr aus dem Flussbett waschen kann.

Gernot auf der Suche nach der richtigen Stelle
Gernot auf der Suche nach der richtigen Stelle

In hohen Watthosen steht er im eisigen Wasser und raucht eine Zigarette. Goldschürfen, das ist auch Selbstdarstellung ohne Publikum. Posen für den Fluss.

„Als Erstes“, sagt er, „schaut man sich den Flussverlauf an.“ Wo sich die Strömung verlangsamt, in Innenkurven, hinter großen Steinen, dort sind potenziell gute Stellen, um Gold zu finden. „Dann werden Proben genommen.“ Er greift die Waschpfanne aus schwarzem Plastik, in der ein grünes Sieb steckt, schaufelt Sand und Geröll aus dem Flussbett hinein und entfernt das grobe Gestein.

Goldschürfen ist auch Selbstdarstellung ohne Publikum. Posen für den Fluss“

Gleichmäßig schwenkt er jetzt die Pfanne hin und her. „Man schaut erst nach Schwermineralien“, erklärt er. „Hämatit, das ist rötlich, oder schwarzer Sand. Wo man sowas findet, ist auch die Chance groß, auf Gold zu stoßen.“ Beim Schwenken spült das Wasser den leichteren Sand an den unteren Rand der Pfanne, schwere Mineralien und Gold würden sich am oberen Pfannenrand ablagern. Der bleibt allerdings leer. Also weiter.

Vor 18 Jahren begann Gernot zunächst mit der Suche nach Münzen, Artefakten und Werkzeugen aus der Römerzeit, mit einer elektronischen Sonde. Seit drei Jahren sucht er nun mit Pfanne und Rinne in den Flüssen Europas nach Gold.

Die Rinne ist das Fließband des Goldsuchers. Hat er Schwermineralien oder gar gleich ein paar winzige Goldkörner in der Pfanne gefunden, dann baut er einen kleinen Damm, erzeugt so eine schnellere Strömung und setzt auf diesen Damm die Rinne: eine Art kleiner Alukanal, in dessen Boden Gummimatten eingelegt werden. In deren Rillen entstehen kleine Verwirbelungen, und eben dort setzen sich schwerere Materialien wie Gold fest.

In eine solche Rinne schüttet Gernot jetzt das Gestein, das er an einer vielversprechenden Stelle aus dem Fluss geschaufelt hat. „Dann rollt das Geröll da runter. Wenn die Strömung richtig ist, siehst du die Steine tanzen“, sagt er.

Gernot hat schon einiges hinter sich. Als gelernter Tontechniker war er mit Sarah Connor unterwegs, er arbeitete als Elektro-Installateur, betrieb zwei Solarien, die ihm eine Zeitlang einen Porsche finanzierten. Nach Schätzen gesucht hat er immer nebenbei.

Andere gehen Angeln.
Ich wasche Gold“

Gernot Piechura

„Das hat mich schon seit frühester Kindheit fasziniert“, erinnert er sich. Doch vom Goldsuchen allein kann in Deutschland niemand leben. „Heute ist hier nicht mehr viel zu holen. Ein paar Milligramm am Tag, winzig kleine Körner“, erklärt Gernot. Reich wird man davon nicht. 30 Euro gibt es pro Gramm von der Qualität, wie sie hier zu finden ist. Das größte Stück, das er je in Deutschland gefunden hat, war acht Millimeter lang. Nichts von dem, was er je fand, hat er verkauft.

„Es ist eine Art Ausgleich“, sagt er, es gehe ihm nicht um das Gold. „Es ist mehr Meditation als Abenteuer“, sagt Gernot. „Das Plätschern, die Blumen am Ufer, die Sonne, die über die Baumwipfel steigt, das Rauschen des Windes in den Bäumen … Andere gehen angeln. Ich wasche eben Gold.“

Gernot Piechura auf Goldsuche an der Okertalsperre
Ruhe. Weite. Und das Plätschern des Wassers

Er stapft zurück zum Auto. Die nächste Stelle erkunden. So wird das den ganzen Tag lang gehen. Auto, Fluss, Auto, Fluss. „Klar, jetzt will ich auch zeigen, dass ich was finden kann“, sagt er. Am Ende des Tages wird er bis weit hinter Kassel gefahren sein, um ein kaum erkennbares Körnchen Gold in seinen Händen zu halten.

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