Es kesselt wieder

Andi Feldmann, der Bruder von „Werner“-Erfinder Rötger „Brösel“ Feldmann, hat die Lizenz zum Löten. Steht so auch auf seiner Visitenkarte. Und deshalb hat er den Red Porsche Killer mit den vier Horex-Motoren für die große Revanche am 2. September wieder zum Kesseln gebracht. Wir erwischten ihn kurz vor Startschuss für ein Interview und trafen noch neun andere Macher

Text: Catharina König | Aufmacher: Werner-Rennen 2018 |
Fotos vom Event: Julia Werner

Für Andi Feldmann und „Werner“-Zeichner Rötger „Brösel“ Feldmann ist keine Idee zu abgedreht
Andi und Rötger „Brösel“ Feldmann: Keine Idee ist den Brüdern zu abgedreht
© Loerke PR

MACHER: Andi, Team gut, Motorrad gut, alles gut?

Andi Feldmann: Das Team ist tatsächlich super! Vergisst man ja immer wieder: die Macher hinter den Kulissen. Das sind alles ausgewählte Menschen, die ich an mich rangetragen hab. Ölfuß, Kenny, Jürgen, Heini, unser allerliebster Mensch Karl, Pierre, Ingmar. Alle dabei. Und so viele Leute, die unentgeltlich, einfach aus Spaß, mitgemacht haben. Die klopfen mir alle auf die Schulter und sagen: Andi, du schaffst das! Aber ich schaff das ja nur, weil die alle mitmachen. Und nu’ muss Rötger, mein lieber Bruder, gleich auf den Hocker drauf und mal Gas geben.

Dein Bruder sagte vorhin: „Bis zum Rennen nur warmes Wasser aus Bordesholm“. Dran gehalten?

Joa, ein bisschen Bier haben wir schon getrunken. Um die Nerven zu beruhigen.

Wie kann man sich das denn vorstellen, wenn Andi und Rötger zusammenarbeiten?

Mein Bruder redet dummes Zeug, und ich bin schlau.

Du schraubst, und er denkt sich was aus?

Ich sach mal, wir ergänzen uns. Und wir sind beide Halunken. Im Grunde fing das ja in unserer Jugend schon an. Wir haben immer schon schlimme Motorräder gebaut, und die Polizei war hinter uns her. Wir sind zwar ein bisschen vernünftiger geworden, aber es gibt immer noch unsere Regel: Fuck for TÜV.

 

Es gibt immer noch unsere Regel: Fuck for TÜV“

Andi Feldmann
© Frederic Plambeck

Wie alles begann: das Werner-Rennen 1988

In den frühen 80er-Jahren gerieten Gastwirt Holger „Holgi“ Henze und Comiczeichner Brösel aneinander: Holgis roter 911er Porsche von 1967 wurde als „Wanderdüne“ beschimpft, Brösels Horex als „Vorkriegsschrott“. Daraus wurde Band 4 der „Werner“-Reihe und eine Wette in bester Wettrenn-Manier: Porsche gegen Horex.

Während der drei Jahre andauernden Wettkampfvorbereitungen durchlief Brösels Motorrad eine Metamorphose: Wie bei der Maschine im vierten Comic „Werner – Eiskalt!“ wurden vier Horex-Motoren hintereinandergeschaltet. Der Red Porsche Killer wurde Realität.

Am 4. September 1988 standen die Kontrahenten schließlich an der Startlinie auf dem Flugplatz Hartenholm und fieberten dem Showdown entgegen. Genauso wie die über 200.000 Fans, die zu der dreitägigen Veranstaltung gekommen waren – auch wegen des bis heute legendären Rahmenprogramms wie dem Mofaweitwurf und der Kür der schönsten Maschine ohne TÜV.

Das eigentliche Rennen dauerte nur 60 Sekunden, dann war alles vorbei: Brösel lag auf den ersten 50 Metern vorn, doch der Porsche zog an ihm vorbei. Eine Schmach, die Brösel nicht auf sich sitzen lassen wollte. Eine Revanche musste her. Und sei es erst 30 Jahre später.

Du wirst auch der personifizierte Schweißdraht genannt.

Ja, auf meiner Visitenkarte steht: die Lizenz zum Löten. Das heißt, wenn man das kann, also das Löten, dann hat man die Möglichkeit, viele schöne Materialien zusammenzusetzen. Auch Teile, die man auf dem Schrottplatz gefunden hat, mit etwas Neuem zu verbinden. Viele Leute kaufen sich im Internet einen Tank oder eine Sitzbank, und das passt dann. Aber bei uns ist das so: Es muss nicht passen, sondern es muss angepasst werden.

Also muss eine Seele drinstecken?

Ja, und das Design muss stimmen. Für das ganze Motorrad, wenn man denn eins selber baut, muss es ein Bild geben, ein schönes Bild.

Für den Red Porsche Killer hattet ihr Brösels Comiczeichnung damals, vor allem von den vier Horex-Motoren?

Ja, und jetzt haben wir alles noch mal neu gemacht, unter anderem den Lenker, weil uns das einfach nicht gefallen hat. Und wir machen das so lange neu, bis uns das tatsächlich gefällt. Muss eben nicht nur die Technik passen.

Aber die passt jetzt auch?

Ja, ich bin richtig guter Dinge. Wir hatten in den vier Tagen vor dem Rennen noch mal neue Erkenntnisse: darunter, dass die Zahnriemen bei der Beschleunigung nicht gehalten haben. Sind uns immer weggerissen. Da haben wir neue besorgt. Die sind jetzt mit Kevlar und halten noch mal besser. Man muss ja mal sagen: Das Ding ist vor 30 Jahren das letzte Mal richtig gut gelaufen. Auf dem Lausitzring 2004 ist es nicht so gut gefahren. Aber jetzt kann nicht mehr viel schiefgehen, weil wir richtig gut geschraubt haben.

Und Andi sollte recht behalten …

Rötger „Brösel“ Feldmann konnte mit dem Red Porsche Killer beim Showdown am 2. September knapp den Sieg einfahren. Auf den Schmähturm ist er trotzdem mit Kumpel Holgi. Ehrensache.

Wie Andi und sein Bruder Rötger sind auch die 3.000 Teilnehmer beim Werner-Rennen in Hartenholm Schrauber aus Leidenschaft. Straßenzulassung für die Motorräder? Fehlanzeige. Auch für die meisten Motorsport-Fans hier gilt das Motto der Brüder Feldmann: Fuck for TÜV. Knattern muss es. Schnell sein. Und gut aussehen. Um es mit Werners Worten zu sagen: Das muss kesseln! Und das tat es: Egal ob Unicycle, Autocross, Rasentrecker, Motorräder oder Drag-Race-Autos. Die Frauen und Männer, die sie zusammengeschweißt haben, lieben ihre Karren. Das sieht man.

Das erste Unicycle-Team aus Deutschland war beim Werner-Rennen 2018 dabei: Andreas „Panne“ Pantke, 50, mit Kollege und Rennteilnehmer Nils Schirdewan (links), 29

Sie sind das erste Unicycle-Team in Deutschland überhaupt: die Friesenfighter aus Wilhelmshaven. 1997 entbrannte die Leidenschaft für die einrädrigen Motorgeschosse, deren Kufen beim Rennen in der Luft sein müssen. Seither hat das Team mehrere Unicycles gebaut. Chefbauer ist Andreas „Panne“ Pantke, 50, Dreher. In nur drei Wochen hat er das Gefährt von Kollege und Rennteilnehmer Nils Schirdewan (links), 29, zusammengebaut. 750 Kubik hat die Maschine. Der Clou bei den Friesenfightern ist das Rad aus Holz: „Wir haben viel rumprobiert, auch mit Stahl oder herkömmlichen Reifen – aber die waren zu schwer.“ Das Holz ist leichter und sieht geil aus.

 

Uwe Müller, 50, aus dem Allgäu ist seit 2010 bei Unicycle-Rennen dabei und dieses Mal auch beim Werner-Rennen 2018. Seine aktuelle Rennmaschine hat er 2014 gebaut und optimiert sie seitdem ständig

Der Weltmeister nach Punkten: Uwe Müller, 50, aus dem Allgäu ist seit 2010 bei Unicycle-Rennen dabei. Vorher ist er Motocross gefahren. Seine aktuelle Rennmaschine hat er 2014 gebaut und optimiert sie seitdem ständig. Verbaut ist ein Suzuki-Motor mit 140 PS, ein Suzuki-Hinterrad mit Autoreifen und ein Enduro-Lenker. Der gelernte Schlosser schafft es mit der Maschine in 2,511 Sekunden auf 100 km/h. Eigentlich fast schade, dass die Unicycle-Rennstrecke nur 30,4 Meter lang ist.

 

Samira Stieghahn ist mit ihren 20 Jahren ein alter Hase im Rennsport. Ihr Autocross, mit dem sie am Werner-Rennen 2018 teilnahm, ist eine Eigenkonstruktion, ausgestattet mit einem Doppel-X-Motor von Honda mit 160 PS

Auch wenn man es ihr nicht ansieht: Samira Stieghahn ist mit ihren 20 Jahren ein alter Hase im Rennsport. Bereits mit 14 Jahren fuhr sie erste Kartrennen. Ihr Autocross ist eine Eigenkonstruktion, ausgestattet mit einem Doppel-X-Motor von Honda mit 160 PS. Das Lenkgetriebe ist von einem 911er Porsche. Damit alles richtig federt, wurde das Gestänge genau ausgemessen, verschweißt oder genietet. Mit ihrem Freund, der ebenfalls Autorennen fährt, schraubt sie gemeinsam am Fahrzeug: „Es ist nie ganz fertig“, sagt sie. Nach den letzten Rennen wurden Teile entfernt, um das Fahrzeug leichter – und somit schneller – zu machen. 466 Kilo bringt das Devil’s Toy derzeit auf die Waage. Ohne Fahrerin.

 

Jan Metzen, 39, hat sich einen eigenen Rasentrecker gebaut und ihn während des Werner-Rennens 2018 der Öffentlichkeit präsentiert

„Von null auf alles“, jagt Jan Metzen, 39, seinen Rasentrecker-Eigenbau. Am Wurstexpress baut er seit 2016. Wie in den Regeln für diese Rennklasse vorgeschrieben, ist ein Industriemotor verbaut mit 13 PS. Dank Tuning kommt er mittlerweile auf 20 PS. Das Schweißen liegt Jan übrigens so gut, dass er von der Geologie nun auf Landmaschinenmechaniker umsattelt.

 

Steffen Macha, 49, aus Halle/Saale ist ziemlich stolz auf seine Rasentrecker-Maschinen, die er beim Werner-Rennen 2018 vorstellte

Steffen Macha (links), 49, aus Halle/Saale ist ziemlich stolz auf seine Maschinen. Der Werbedesigner fährt seit 2013 erfolgreich Rasentrecker-Wettrennen. 2012 packte ihn das Fieber: Er sollte für Mercedes einen Trecker für ein Rennen entwerfen, ein Fahrer fiel aus, Macha sprang ein. Und war angefixt. Mittlerweile hat er ein eigenes Rennteam gegründet. Seine Maschine ist mit einem 26-PS-Motor (modifiziert – wie viel, will er lieber nicht verraten) von einer Rüttelplatte ausgestattet, den er bis 80 km/h ausfahren kann. Den Mercedes-Stern darf sein Team, hier Kollege David Bremer, offiziell tragen – er wird von dem Autobauer gesponsert.

 

Arne Steffen, 52, aus Handewitt bei Flensburg war beim Werner-Rennen 2018 einer der Publikumslieblinge mit seinem knallgelben Bulli aus den Sechzigern, den er umgebaut hat

Auf der Drag-Race-Strecke war Arne Steffen, 52, aus Handewitt bei Flensburg einer der Publikumslieblinge. Sein knallgelber Bulli aus den Sechzigern ist ein Hingucker. Er besitzt das alte Feuerwehrauto schon seit gut 28 Jahren und baut ständig dran rum. Tiefergelegt, mit Porsche-911er-Motor und 220 PS ausgestattet, fährt er damit nicht nur Drag Race – „sieht schon geil aus, wenn die Reifen hinten durchdrehen“ –, sondern auch in den Campingurlaub nach Schweden.

 

Reno Richter, 51, aus Hamburg, fährt seit gut sechs Jahren mit seinem Dodge Challenger Drag Race, dieses mal auch das Werner-Rennen 2018

„Ich hab ’ne Leidenschaft für große Motoren“, sagt Reno Richter, 51, aus Hamburg. Er wollte unbedingt ein amerikanisches Auto und fährt seit gut sechs Jahren mit seinem Dodge Challenger Drag Race. Die Leistung der Karre kann er im Schlaf aufsagen: „Ein 6,4 Liter V8 Hemi-Motor mit Kompressor und 724 PS bei 1000 Newtonmeter Drehmoment.“ Um bei den Rennen mehr aufzufallen, hat er das Auto als Police Car verkleiden lassen. Und fährt damit auch im Alltag durch Hamburg.

 

Kristof Hamer, 32, aus Glückstadt stellte beim Werner-Rennen 2018 sein Rennmotorrad mit Sportster Motor (1400 kb, 130 PS) vor, an dem er, sein Vater und seine beste Freundin geschraubt haben

Das ist eine Gemeinschaftsarbeit. Vater, Sohn und beste Freundin haben an dem Rennmotorrad mit Sportster Motor (1400 kb, 130 PS) geschraubt und geschweißt. „Das Geilste ist das Beschleunigen“, sagt Kristof Hamer, 32, aus Glückstadt, der sich das Motorrad bei Rennen mit Henrike Mühlenbruch, 29, teilt. Damit es nicht so viel Gewicht auf die Waage bringt, haben sie einen Alurahmen geschweißt. In der vierten Saison fahren die Freunde damit unter anderem Drag Race.

 

Willi Kistenmacher (rechts), 63, und Friedo Assmann, 62, waren beim Werner-Rennen 2018 zum ersten Mal mit ihrem umgebauten Benelli dabei

Willi Kistenmacher (rechts), 63, und Friedo Assmann, 62, beide aus Neumünster, haben lange nach ihrer Benelli gesucht. Nicht, dass sie nicht schon ein paar Maschinen in der Garage stehen hätten. Vier bis fünf Motorräder haben sie. Jeder. So genau wissen sie das aber nicht. Die Leidenschaft war schon früh geweckt, bereits mit 16 Jahren sind die Freunde auf ersten Leichtmotorrädern gefahren. Vor zwei Jahren wollten sie dann unbedingt eine Benelli 900 (6 Zylinder) haben. Gefunden haben sie sie in einem Schuppen nur drei Kilometer von zu Hause entfernt. 20 Jahre stand sie ungefahren rum. Ne Menge Arbeit: Der Tank wurde erneuert, die Sitzbank, die Auspuffanlage, die Vorderradbremse, neue Kolben und Lager für den Motor. Und: eine Ein-Liter-Metalltrinkflasche als Motorentlüftung. Beim Werner-Rennen sind die beiden das erste Mal damit an den Start gegangen.

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