Elias Holocher aus Heidenheim im Osten von Baden-Württemberg arbeitet an einer drehbaren Küche mit Sprachsteuerung

Die drehbare Küche mit Sprachsteuerung

Höhenverstellbar, drehbar – und sprachgesteuert: Elias Holocher wollte eine flexible Küche. So wie er sich das vorstellte, gab es das aber nicht. Also baute er sie – allen Zweiflern zum Trotz – selbst. Wie aus einer kleinen Idee ein großer Traum wurde

Interview: Friederike Schön | Fotos: Oliver Vogel

Macher: Elias, eigentlich warst Du ja Musiklehrer. Was ist dann passiert?

Elias Holocher: Vor rund vier Jahren wohnten meine Frau und ich in einer Mietwohnung. Die Einbaubauküche war sehr klein, es gab wenig Platz zum Kochen und Essen. Hier entstand der erste einfache Prototyp. Ich dachte mir: Den Raum kann man besser nutzen. Im Baumarkt habe ich eine Arbeitsplatte gekauft und einen Drehkranz aus einem alten Sessel druntergeschraubt – so wurde sie bei Bedarf zum Esstisch für mindestens vier Personen. Damit ging es los.

Eine Idee, aus der Not geboren – die Dich dann nicht mehr losließ …

Stimmt. Für den zweiten, ausgefeilten Prototyp habe ich weiterrecherchiert – und war total überrascht: Küchen, die flexibel und beweglich sind, gab es auf dem Markt einfach nicht. Ich habe mich drangesetzt und meine Ideen weiterentwickelt. So entstand eine Kochinsel mit höhenverstellbarer, drehbarer Arbeitsplatte und herausfahrbaren Bänken. Inzwischen ist sie auch sprachgesteuert.

Mein Prinzip: überlegen, wie ich Vorhandenes zweckentfremden kann"

Elias Holocher

Woher wusstest Du, wie das geht?

Ich muss dazusagen: Handwerklich begabt und interessiert war ich schon immer, ich habe meinen Eltern beim Ausbau ihres Hofes geholfen und auch eine Zeit lang in einer Zimmerei gearbeitet. Der Grundstock war also da. Aber bei der Küche habe ich auch mit einfachsten Mitteln experimentiert, ausprobiert, was funktioniert, und dann Schritt für Schritt weiterüberlegt. Mein Prinzip: überlegen, wie ich Vorhandenes zweckentfremden kann.
Anfangs habe ich alles mechanisch gebaut, ohne Motoren, was auch funktioniert hat. Aber ich wollte meine Küche noch besser machen. Ich habe nach und nach alles mechanisiert: ein Kugeldrehkreuz eingebaut, wie man es für Anhänger verwendet. Einen Motor für Garagentore im Baumarkt gekauft und eingebaut. Damit lässt sich die Arbeitsplatte um 90 Grad raus- und wieder reindrehen. Die Ultraschallsensoren, die bei mir verhindern, dass man sich beim Rauf- und Runterfahren einklemmt, sind eigentlich aus der Autoindustrie. In den Bänken sind Linearmotoren, wie sie in automatischen Rollläden oder steuerbaren Fenstern in Dächern und Gewächshäusern verbaut werden – bedienbar mit einem Funkschalter, ganz simpel.
Ich hatte ständig neue Ideen. Dafür bekam ich Gegenwind. Viele meinten, dass es am Ende nicht funktioniert, mit dem ganzen Wasser, das man in der Küche braucht.

Mein Antrieb war immer: Ihr werdet schon sehen, ich baue das Ding fertig!"

Elias Holocher

Hat Dich das runtergezogen?

Nein. Ich habe mich nicht beirren lassen und meiner Vorstellungskraft vertraut. Mein Antrieb war immer: „Ihr werdet sehen, ich baue das Ding fertig!“

Bevor ich Probleme angehe, überlege ich, wie sich etwas bauen lassen könnte. Die ganze Elektronik unter einen Hut zu bringen und aufeinander abzustimmen war ein Riesenthema. Sicherheit auch. Ich habe Schläuche verbaut, die normalerweise in Waschstraßen eingesetzt werden und die der ständigen Bewegung standhalten. Damit war die Wasserproblematik gelöst. In der Industrie gibt es alles, aber man muss querdenken. Mit den gängigen Silikonkabeln für Herdplatten, die man nicht häufig biegen darf, kommt man da nicht weiter. So was hat mich manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht. Ich bin oft recht blauäugig an die Sache herangegangen, dafür mit viel Fantasie. Wenn ich zum Beispiel in der Sanitärabteilung im Baumarkt suchte, wurde ich womöglich in der Gartenabteilung fündig.

Dann kam noch die Sprachsteuerung hinzu …

Ja, für noch mehr Küchenkomfort. Inzwischen geht alles per Sprachbefehl: Die Arbeitsplatte fährt herunter, dreht sich so weit, dass sie zum Küchentisch wird. Dann fahren die Sitzbänke aus der Kochinsel heraus – auf der man ebenfalls sitzen kann. Nach dem Essen lässt sich das Ganze zur Bar umfunktionieren, indem man die Platte nach oben fährt.
Ich habe außerdem einen Wasserhahn aus den Niederlanden eingebaut, aus dem sowohl kochendes als auch kaltes Wasser kommen kann. Und ich habe einen Biomüll-Zerkleinerer integriert, der alles staubfein schreddert, sodass es mit dem Abwasser abfließt. Das ist aus ökologischer Sicht besonders für Städte interessant. All das hat in der Kochinsel neben vielen Schubladen und Stauraum seinen Platz gefunden.

Wie ist die Küche bei den Zweiflern angekommen?

Am Ende waren alle begeistert. Und es hat sich rumgesprochen. Irgendwann habe ich entschieden: Das will ich jeden Tag machen, Küchen bauen. Dafür habe ich meinen Lehrerjob an den Nagel gehängt, und es läuft super. Die Holzwerkstatt ist in der Scheune meiner Eltern im Allgäu, die Technik produziere ich zusammen mit einer Firma in Hildburghausen. Und ich bin jeden Tag froh darüber, dass ich diesen Schritt gewagt habe.

Die hört aufs Wort!

Wer sich Elias’ selbst gebaute, sprachgesteuerte Küchen näher anschauen will, kann das hier tun.

2 Kommentare

  • Martin
    Tolles Projekt! Klasse Idee und sehr schön umgesetzt!!!!!
    Mich würden die ca. Kosten für so etwas interessieren, da oftmals im Netz tolle Ideen und Umsetzungen gezeigt werden, jedoch auf den Bildern im "Hintergrund" oft Profi-Maschinen etc. zu sehen sind. Und auch die Projekte angeblich von DIY Menschen realisiert worden sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich, das trotzdem oftmals ein sehr hoher Kostenaufwand dahinter steht und ich mich dann frage, wie der Hobby Handwerker/DIY Durchschnittsverdiener sich das leisten kann?
    Oder anders gesagt:Ideen und Geschick sind reichlich vorhanden...aaaaber....😫
    • Redaktion
      Elias’ erster Prototyp mit dem Drehkranz und der einfachen Arbeitsplatte vom Baumarkt hat nicht viel gekostet. Mit der Komplexität seiner Ideen (mit Sprachsteuerung, etc.) und seinen Ansprüchen an die Qualität ging aber auch der Preis hoch. Seine zweiter Prototyp lag mit Material und Maschinen schon im zweistelligen Tausenderbereich.

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