Der große Durchbruch

Die Vision: ein Kanal, der Atlantik und Pazifik miteinander verbindet. Die Realität: ein gigantisches Projekt, an dem bereits viele gescheitert sind. Gelingen wird es schließlich dank des Einsatzes von US-Präsident Theodore Roosevelt

Text: Esther Acason | Foto: Getty Images

Bereits 1523 gab es Pläne, einen Kanal zwischen Atlantik und Pazifik zu bauen. Mehrere hundert Jahre später war man immer noch nicht weiter – bis Theodore Roosevelt die Sache in die Hand nahm. Der US-Präsident schloss 1903 einen Vertrag mit dem von Kolumbien abgespaltenen und neu geschaffenen Staat Panama und gab so das Signal für den Bau des bis dahin größten Bauwerks der Welt. Roosevelt ernannte John Findley Wallace 1904 zum Leitenden Ingenieur. Doch bereits ein Jahr später gab Wallace auf. Er fand einfach keine Lösung für den Abtransport der anfallenden Erdmassen, zudem verzögerten immer wieder bürokratische Hindernisse den Bau. Der Ingenieur John Frank Stevens übernahm Wallaces Job – und kündigte zwei Jahre darauf.

So konnte es nicht weitergehen, fand Roosevelt. Es musste jemand her, der das Projekt nicht von einem Tag auf den anderen im Stich lassen konnte. Am besten jemand vom Militär. Gesagt, getan: Roosevelt setzte Generalmajor George Washington Goethals 1906 für den Bau des Kanals ein – und überwachte das Projekt von nun an auch persönlich. Seine erste Auslandsreise (die erste eines US-Präsidenten überhaupt) führte Roosevelt 1906 zum Culebra Cut, einem 95 Meter hohen Felsmassiv an der Baustelle. Dort stieg er, allen Warnungen seiner Berater zum Trotz, auf den Löffelbagger und überzeugte sich kurzerhand selbst von den Fähigkeiten des Geräts.

Der Einsatz und die Hartnäckigkeit des Präsidenten sollten sich auszahlen. 1914, zehn Jahre nachdem Wallace mit dem Bau der Schifffahrtstraße begonnen hatte, war der Panamakanal vollendet. Am 3. August 1914 überquerte der Frachter „Cristobal“ als erstes Wasserfahrzeug den Kanal in seiner vollen Länge von 82 Kilometern. Doch am selben Tag brach der Erste Weltkrieg aus, deshalb fiel die geplante Eröffnungsfeier aus. Erst 1920 wurde der Panamakanal von US-Präsident Woodrow Wilson offiziell für den Schiffsverkehr freigegeben. Und der beharrliche Mann mit den Nerven aus Stahl? Theodore Roosevelt erlebte die Eröffnung des Panamakanals nicht mehr, er war ein Jahr zuvor gestorben. An Roosevelt erinnert jedoch bis heute der Panamahut: Dieser, vom Präsidenten getragen und eigentlich ein ecuadorianischer Strohhut, wurde dank des Auftritts auf dem Löffelbagger weltberühmt – und erhielt dort auch seinen Namen.

Jetzt kommentieren

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dieser Name steht später über Deinem Kommentar. Du kannst auch ein Pseudonym wählen.

* Pflichtfelder bitte ausfüllen