Ureddplassen, ein ungewöhnlicher Rastplatz an der Westküste Norwegens. Das Toilettenhaus hat den Ruf, die schönste öffentliche Toilette zu sein. Die Terrasse des Rastplatzes bietet einen einzigartigen Ausblick auf den Fugløyfjord

Das Toiletten­haus vom Ureddplassen

Die Küsten Norwegens bestechen vor allem durch eines: Idylle. Wer diese Wirkung auch mit einem Toilettenhaus nicht zerstören, sondern erhalten möchte, braucht gute Ideen. Justine und Dan hatten sie

Text: Esther Acason | Fotos: Steinar Skaar/Statens vegvesen

Das Werk

Ein Gebäude – 8 Meter lang, 2,60 Meter breit, 3,70 Meter hoch am höchsten Punkt: das Toilettenhaus auf dem Ureddplassen, einem Rastplatz an der 433 Kilometer langen Küstenstraße Helgelandskysten in der Provinz Nordland Norwegens – mit dem Ruf, die schönste öffentliche Toilette des Landes zu sein.

Die gläsernen Wände scheinen im Dunkeln zu leuchten. So finden Reisende selbst nachts ihren Weg dorthin. Blickdicht sind die Scheiben natürlich trotzdem.

Im Innern: Stille. Fast zumindest. Denn gibt es keine Fenster. Das Einzige, das man durch die Wände aus Opakglas hören könnte, ist der Wind und das Meeresrauschen vom Fugløyfjord. Vielleicht auch die gedämpften Stimmen anderer Besucher, die draußen auf der neun Meter breiten Terrasse mit den Bänken aus rot-weißen Marmorquadern im Winter die Nordlichter oder im Sommer die Mitternachtssonne bestaunen.

Der Macher

Marit Justine Haugen und Dan Zohar vom Architektenbüro Haugen/Zohar Arkitekter in Oslo. Bei all ihren Projekten ist es ihnen wichtig, bestehende Probleme zu lösen, ohne zu viel an der Umgebung und Umwelt zu ändern. Auf einem Privatgrundstück in Oslo, eingeengt von Nachbargebäuden und einer Hauptstraße, bauten sie zum Beispiel auf nur 60 Quadratmetern Grundriss ein Wohnhaus mit vier Stockwerken.

Die Motivation

Ureddplassen ist der erste von fünf Rastplätzen an fünf norwegischen Landschaftsrouten: Ryfylke, Hardangervidda, Helgelandskysten, Andøya und Lofoten, die in den nächsten Jahren gebaut werden. Der Auftrag an die zehn ausgewählten Architekturbüros: Natur, Architektur und Design aus Norwegen zu etwas zu kombinieren, das die Gesamtheit der Einzelteile der Projekte übertrifft. Das war auch das Ziel von Dan und Marit. Der Himmel, die Lofoten, der Fjord – all das sollte noch besser hervorgehoben werden, anstatt die Aufmerksamkeit auf die Elemente des Rastplatzes zu lenken. Also arbeiten sie mit möglichst schlichtem Material: Stahl, Beton und Glas. Keine Farben. Würden nur zu sehr von der Natur ablenken. Das neue Gebäude, die Treppen, die vom Rastplatz zur Küste führen und die Marmorbänke auf der Terrasse gehen nahtlos in die Landschaft über. Genau so, wie Dan und Marit es geplant haben. Das Ergebnis: Die Besucher fühlen sich nicht als Fremdkörper, sondern als ein Teil der Natur. Sie kommen zur Ruhe.

Die Besucher fühlen sich nicht als Fremdkörper, sondern als ein Teil der Natur“

Esther Acason

Die Umsetzung

Die Ausgangslage des Ureddplassen: Platz, um Autos zu parken und sich einmal am Ufer des Fjords die Beine zu vertreten, ein paar Mülleimer. Ein ausgebauter Rastplatz, der zum Bleiben einlädt? Fehlanzeige. Von einer Toilette ganz zu schweigen.

Dann kam der Auftrag.

Damit auch wirklich nichts schiefgehen konnte, bauten Marit und Dan lieber ein paar 3-D-Modelle zu viel, bevor sie mit dem eigentlichen Bau von Ureddplassen begannen. 2017 war es dann so weit: Das Architektenbüro versammelte ein zehnköpfiges Team um sich und legte los: Material anliefern, Wasseranschluss, Abflussrohre und Elektrizität installieren. Dann gossen sie das Beton-Fundament und das wellenförmige Beton-Dach, das nahtlos in die Beton-Terrasse übergeht. Das Ziel: Man sollte schon aus der Ferne erkennen, dass der Rastplatz Ureddplassen eine Einheit bildet. Danach begannen die Architekten mit dem Innenausbau und zogen die Glaswände des Toilettengebäudes hoch. Fünf Monate nach Baubeginn war alles fertig.

Die Architekten Marit Justine Haugen und Dan Zohar vom Architektenbüro Haugen/Zohar Arkitekter in Oslo haben den Bau von Ureddplassen, einem Rastplatz an der Westküste Norwegens, geplant

Mehr über die Macher

Hier könnt Ihr mehr über die Macher von Ureddplassen, Marit Justine Haugen und Dan Zohar, erfahren. Ein neues Projekt haben Marit und Dan auch schon: die Rastplätze in Jæren, Madland Hamn, umbauen. Eine Küstenlandschaft im Südwesten Norwegens. Ebenfalls an einer norwegischen Landschaftsroute. Mit einer beeindruckenden Aussicht.

Ein Denkmal auf der Rastplätze – ein auf einer Welle reitender Schwertfisch – erinnert an die 42 Opfer, die im Zweiten Weltkrieg starben, als das U-Boot „Uredd“ auf eine Mine auflief

Ureddplassen besichtigen

Wenn Ihr Ureddplassen selber besuchen möchtet, könnt Ihr Euch hier informieren. Dort findet Ihr auch Infos zu den anderen norwegischen Landschaftsrouten. Und zu der Gedenkstätte am Ureddplassen. Das Denkmal auf dem Rastplatz – ein auf einer Welle reitender Schwertfisch – erinnert an die 42 Opfer, die im Zweiten Weltkrieg starben, als das U-Boot „Uredd“ 1943 auf eine Mine im Fugløyfjord lief. Nach diesem wurde der Rastplatz benannt: Ort („Plassen“) ohne Angst („Uredd“).

Bildrechtliche Hinweise

Landschaftsarchitekt: Landskapsfabrikken v/Inge Dahlman
Architekt: Haugen/Zohar Arkitekter AS
Ingenieur: K. Apeland AS
Technik: Sweco AS
Kunde: Statens vegvesen, Turistvegseksjonen
Unternehmer: Moldjord bygg og anlegg AS

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