Das Solar Egg, eine Sauna in Eiform, vor der Schneelandschafts Kirunas, der nördlichsten Stadt Schwedens. Das goldene Ei wurde von Mats Bigert und Lars Bergström, einem Architektenduo aus Stockholm, erschaffen.

Das Solar Egg von Kiruna

Was tun, wenn man den Boden unter den Füßen verliert? Neuen Halt finden. In sich, anderen und der Natur. Mats Bigert und Lars Bergström schufen einen Ort für konstruktive Gedanken und voller Symbolik

Text: Esther Acason | Fotos: © Jean-Baptiste Béranger

Mitten im Schnee ein goldenes Ei. Himmel, Erde und die schwedische Stadt Kiruna mit ihrer Mine spiegeln sich in seiner facettierten Außenfläche. Und die Menschen, die hierherkommen, um bei einem Saunagang in seinem Innern über ihre Sorgen und die Zukunft zu sprechen. Und das ist dringend nötig.

Zukunft: ungewiss

Denn vor mehr als zehn Jahren wurde die Umsiedlung von Kiruna beschlossen: Durch den massiven Erzabbau dort sinkt die Stadt zunehmend ab. Bis 2040 soll die Umsiedlung abgeschlossen sein. Konkrete Fortschritte? Bisher kaum. Stattdessen offene Fragen und große Sorgen bei den knapp 18.000 Einwohnern: Wie wird das werden, wenn die ganze Stadt umzieht? Wird die Entschädigung für die alten Häuser für die neuen reichen?

Mats Bigert und Lars Bergström, ein Künstlerduo aus Stockholm, haben sich in ihren Projekten darauf spezialisiert, Menschen miteinander, aber auch Menschen und Natur wieder zusammenzubringen. Und so wurde Kiruna das Zentrum eines dieser Projekte. Der Ort, an dem Eisenerz so lange abgebaut wurde und noch wird, dass die Stadt untergeht, und der zwei- bis dreimal stärker vom Klimawandel betroffen ist als die Regionen weiter südlich.

Die Architekten Lars Bergström (li.), Mats Bigert mit ihrer Ideenfabrik: das „Solar Egg“ in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens
Lars (li.) und Mats nennen das „Solar Egg“ eine Ideenfabrik

2016 starteten Mats und Lars mit den Planungen des Solar Egg. Eine Sauna sollte es werden, denn „in einer Sauna sind die Menschen vollkommen befreit von ihrem zivilen Kostüm. Dort sind sie alle gleich. Und deshalb offener“, erklärt Mats. Wer offen ist, kann besser über eigene Sorgen sprechen und die von anderen hören. Wessen Sorgen besprochen wurden, der kann wieder zuversichtlich sein, neue Wege erkennen und Lösungen entwickeln.

Notwendiger Wandel

„Kiruna befindet sich in einem Wandel, der durch den Bergbau zustande kam“, erklärt Mats. Noch ist Kiruna abhängig von der Mine, das wird sich nicht so schnell ändern. Ohne den Bergbau kann die Stadt momentan nicht überleben. „Aber die Einwohner wissen, dass es langfristig eine andere Lösung geben muss. Die Sauna soll deshalb nicht nur ein Ort zum Zusammenkommen sein, sondern auch ein Inkubator für Ideen“, sagt Mats. Für Ideen, wie man die Stadt in Zukunft im Einklang mit der Natur weiterentwickeln kann. Die Eiform steht als Symbol für diesen Neubeginn.

Den Gedanken einheizen

Für die nötigen Sauna-Temperaturen sorgt ein Holzbrenner aus Eisen und Stein in der Form eines menschlichen Herzens, mittig platziert. Von den Holzbänken aus haben es also alle Besucher im Blick. Zuerst wollten Mats und Lars die Sauna über Solarenergie beheizen. Aber: „Es war unmöglich, 75° und 85° Celsius zu erzeugen, dafür hätten wir rund 150 Quadratmeter Solarzellen gebraucht“, so Mats. Die Außenfläche des Eis hat aber nur 20. Aber auch so bleibt die Botschaft in der Sauna zentral: Der Mensch braucht – damit sein Herz schlagen, damit er überleben kann – die Natur. Solarzellen kamen übrigens doch noch zum Einsatz. Sie liefern den Strom für die Beleuchtung in der Sauna. So sorgt die Sonne auch im Innern für klare Sichtverhältnisse. Natürlich setzten Mats und Lars auch die Oberfläche aus vergoldetem Edelstahl bewusst ein – nicht nur, damit man das Solar Egg schon von Weitem sieht: Man kann sich und seine Umwelt in den Spiegelungen im wahrsten Sinn des Wortes erkennen und reflektieren. In den unterschiedlichsten Facetten.

Immer weiter

Mats und Lars wollten Mobilität: Das Solar Egg sollte immer dort sein können, wo es gerade gebraucht wird – nicht nur in Kiruna. Deshalb besteht die Konstruktion aus 69 Einzelteilen, die schnell auseinander- und an einem beliebigen Ort wieder aufgebaut werden können. Wo die Reiseroute des Solar Egg entlangführt und was Mats und Lars sonst noch machen und planen, erfahrt Ihr hier.

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