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Das Huhn
von Java

Eine Kirche in Form eines gigantischen Huhns, fernab der Zivilisation, mitten im indonesischen Dschungel. Wie kam es dahin? Durch göttliche Eingebung – und das Baugeschick eines Mannes

Text: Esther Acason
Aufmacher: mauritius images / Manfred Gottschalk / Alamy

Gereja Ayam, so heißt die riesige Kirche, die auf der Insel Java steht, umgeben vom indonesischen Urwald. Oder einfach: „Chicken Church“. Um die Entstehung des wunderlichen Bauwerks ranken sich die unterschiedlichsten Legenden. Niederländische Kolonisten sollen die Kirche, als Indonesien unabhängig wurde, hinterlassen haben. Und „Kuntilanak“, Dämonenwesen aus indonesischen Sagen, sollen dort ihr Unwesen treiben.

„Chicken Church“: Ein mysteriöses Huhn mit einem riesigen Schnabel. Ein Gebetshaus, das nach dem Erhalt einer göttlichen Eingebung von dem Christen Daniel Alamsjah gebaut wurde
Die „Chicken Church“ auf Java von Daniel Alamsjah
© Flickr/Matt Smith

Tatsächlich ist es so: Das Gebäude wurde von Daniel Alamsjah erbaut. Der heute 75-Jährige ist Christ und hatte Ende der 80er-Jahre nach dem Gebet eine Vision: Er sah auf einem Berggipfel eine Taube mit weißen Flügeln. Eine Stimme befahl ihm, ein Gebetshaus zu bauen, das Menschen aller Religionen nutzen können. Daniel nahm diese Eingebung nicht ernst, bis er eines Tages, auf Reisen an einem Ort namens Bukit Rhema, den Berggipfel aus seiner Vision wiedererkannte – und das dazugehörige Grundstück, 5000 Quadratmeter groß, kurzerhand kaufte. Erfahrung im Bauen? Fehlanzeige! Doch das hielt Daniel, der eigentlich Sozialarbeiter war, nicht davon ab, seine Vision Anfang der 90er-Jahre in die Realität umzusetzen.

Zu Beginn sah das Gebäude tatsächlich noch wie eine Taube aus, dann baute Daniel einen Kranz auf den Kopf des Vogels, als Symbol für Heiligkeit. Das Ergebnis: Das Bauwerk ähnelte durch den Kranz vielmehr einem Huhn als einer Taube. Doch Daniel war das egal, er baute weiter, inzwischen unterstützt von einem kleinen Team – bis ihm im Jahr 2000 das Geld ausging. Der unvollendete Bau zerfiel zusehends, wurde von Vandalen beschmiert, von Pflanzen überwuchert, ab und an fanden Touristen den Weg zur „Chicken Church“.

Das änderte sich 2015, als verschiedene internationale Webseiten über das Gebäude berichteten und es sogar für einen indonesischen Film als Drehort genutzt wurde. Es wurde zur Sensation, die plötzlich Touristenmassen anlockte, rund 2000 pro Woche. Ein geringer Eintritt von umgerechnet weniger als 1 US-Dollar gab Daniel und seinem Team das nötige finanzielle Gerüst, um endlich mit dem Bau des Gebetshauses fortzufahren. Endspurt also: getäfelte Fenster, Fliesen an einigen Wänden, an anderen kunstvolle Verzierungen, Skulpturen und vieles mehr. Sogar ein kleines Café für Besucher ist inzwischen im Inneren des Gebetshauses eingerichtet worden. Und Daniel? Ist glücklich, dass seine Vision nach 30 Jahren Wirklichkeit geworden ist – und dass er alle, die ihn für verrückt erklärt haben, eines Besseren belehren kann.

Mehr dazu

Wer mehr über die „Chicken Church“ erfahren möchte, kann das hier.

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