5. Eintrag:
Der Brückenbau

Lucas baut ein Baumhaus – mit durchsichtigem Kuppeldach und Hängebrücken – und hält alles in seinem Bau-Tagebuch fest. Einmal im Monat dürfen wir mitlesen. Dies ist sein letzter Eintrag

Text: Erzählt von Esther Acason | Aufmacher: STYMKY © Timm Paulick |
Fotos: Florian Manz, Julius Schrank, Sebastian Heidelberger, Lucas Wahl

Liebes Bau-Tagebuch,

Flo, Sebastian und ich haben uns an die Hängebrücken gemacht. Die untere Brücke sollte den Baum, auf dem das Baumhaus sitzt, mit dem Nachbarbaum verbinden. Die obere Brücke den Nachbarbaum mit dem Baumhaus. Damit man zwischen den Bäumen wandern kann.

Komplettes Neuland für uns. Mal wieder. Und was soll ich sagen: Nach der Kuppelkrise hingen wir auch hier noch einmal in den Seilen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir machten uns an die Arbeit, mit Anleitungen aus dem Internet und Tipps vom Fachmann eines Klettergartens in unserer Nachbarschaft. Kanthölzer für die Unterkonstruktion zuschneiden – kein Ding mehr für uns.

Seile einfädeln, Terrassendielen für die Gehfläche verschrauben, alles in den Baum hochziehen und ausrichten – nichts leichter als das. Was uns diesmal Zeit und Nerven geraubt hat, war der Handlauf der unteren Brücke. Dumm, wenn der zu niedrig ist, doppelt dumm, wenn man es erst merkt, wenn schon alles fertig und alle Schnüre gespannt sind. Lassen, wie es ist? Keine Option. Eine falsche Bewegung und schon liegt man unten.

Es war mal wieder an der Zeit für eine Pause, ein Mittagessen in zerknirschter Stimmung und am Ende eine vernichtende Erkenntnis: Die Handläufe der unteren Brücke mussten wieder gelöst werden, um sie fester spannen zu können. Das Problem: Die über Kreuz gespannten Sicherungsseile an den Seiten der Brücke waren dann zu kurz. Also: alle nochmal neu vermessen, neu zuschneiden. Ein halber Tag Arbeit für die Katz. Wir arbeiteten bis in die Nacht hinein. Aber es lohnte sich: Irgendwann hing die Brücke wieder stabil, die Handläufe waren auf der richtigen Höhe.

Frag mich nicht, woher wir die Energie genommen haben, aber wir haben bis mitten in der Nacht sogar noch die Treppe von der unteren zur oberen Brücke gebaut. Und dann endlich: Ab in die Federn. Die Nacht war kurz, unsere Augenringe tief: Wir wollten fertig werden. Und brachten in aller Frühe die kleine Treppe an, die vier Meter lange Treppe vom Boden zur unteren Brücke, die jetzt die blöde Leiter ersetzt. Und das war’s.

Ausmessen und zuschneiden: Arbeit, die Lucas Wahl und seine beiden Freunde Flo und Sebastian schon gewohnt sind und die ihnen inzwischen leicht fiel. Sie sägten die Kanthölzer für die Brücken-Unterkonstruktion in 85 Zentimeter lange Stücke
Ausmessen und zuschneiden: Arbeit, die wir schon gewohnt sind und die uns inzwischen leicht fiel. Wir sägten die Kanthölzer für die Brücken-Unterkonstruktion in 85 Zentimeter lange Stücke
Fiese Fädelarbeit: Baumhausbauer Lucas Wahl hat gemeinsam mit seinen Freunden auf jeder Seite der Kanthölzer jeweils ein Loch gebohrt. Durch die Löcher haben sie auf jeder Seite Polyhanfseile mit 14 Millimeter Durchmesser gezogen. Die Seile sind aus Kunststoff: Sie sehen genauso gut aus wie Hanfseile, sind aber witterungsbeständiger und günstiger
Fiese Fädelarbeit: Mit einem Forsterbohrer bohrten wir auf jeder Seite der Kanthölzer jeweils ein Loch, durch die Polyhanfseile mit 14 Millimeter Durchmesser gezogen. Sehen genauso gut aus wie Hanfseile, sind aber witterungsbeständiger und günstiger
Die Kantholz-Girlande haben Lucas Wahl und seine Freunde im Abstand von 70 Zentimeter auf den Boden gelegt und drei Reihen Terrassendielen oben drauf geschraubt – und fertig war die Brücke. Also via Flaschenzug hoch damit in den Baum und Seile spannen
Die Kantholz-Girlande haben wir im Abstand von 70 Zentimeter auf den Boden gelegt und drei Reihen Terrassendielen oben drauf geschraubt – und fertig war die Brücke. Also via Flaschenzug hoch damit in den Baum und Seile spannen
Noch viel fiesere Fädelarbeit – und alles für die Katz: Lucas Wahl und seine Freunde spannten auf jeder Brückenseite ein Seil als Handlauf und zwischen diesen und den Fädelseilen der Brücke noch Seile über Kreuz als Sicherung. Klappt wie am Schnürchen! Dachten sie. Und sie dachten falsch.
Noch viel fiesere Fädelarbeit – und alles für die Katz: wir spannten auf jeder Brückenseite ein Seil als Handlauf und zwischen diesen und den Fädelseilen der Brücke noch Seile über Kreuz als Sicherung. Klappt wie am Schnürchen! Dachten wir. Und wir dachten falsch.
Die fieseste Fädelarbeit: Baumhausbauer Lucas und seinen Freunden blieb nichts anderes übrig, als alle Handlaufschnüre wieder zu entfernen. Alles nochmal von vorne. Bis in die Nacht hinein arbeiteten sie: Handläufe und Kreuzschnüre neu vermessen, zuschneiden und alles nochmal anbringen. Auf die Schleife hätten sie gut verzichten können
Die fieseste Fädelarbeit: Uns blieb nichts anderes übrig, als alle Handlaufschnüre wieder zu entfernen. Alles nochmal von vorne. Bis in die Nacht hinein arbeiteten wir: Handläufe und Kreuzschnüre neu vermessen, zuschneiden und alles nochmal anbringen. Auf die Schleife hätten wir alle gut verzichten können
Was soll man machen, wenn einen der Ehrgeiz packt: Trotz atemberaubender Müdigkeit bauten Lucas Wahl und seine Freunde an diesem Abend noch die Treppen, über die man die Brücken erreicht
Was soll man machen, wenn einen der Ehrgeiz packt: Trotz atemberaubender Müdigkeit bauten wir an diesem Abend noch die Treppen, über die man die Brücken erreicht
Und mal wieder hat es sich gelohnt, dranzubleiben: Nach vier Tagen hingen beide Brücken, beide Treppen standen. Und Lucas und seine Freunde: Stolz wie Bolle
Und mal wieder hat es sich gelohnt, dranzubleiben: Nach vier Tagen hingen beide Brücken, beide Treppen standen. Und wir: stolz wie Bolle

Im September sollte das Baumhaus fertig sein – das zumindest war der Plan. Jetzt ist Oktober und wir sind immer noch dran: wir müssen auf der Plattform eine Wand hochziehen, die Kuppel mit Polycarbonat ausfüllen und die Sicherheitsnetze um die Brücken anbringen – doch das Ende ist in Sicht. Und schon jetzt sieht das Baumhaus der Bau-Skizze von Anfang des Jahres sehr ähnlich. Das treibt uns an. Und wir sind stolz wie Bolle.

Der nächste und letzte Eintrag wird übrigens ein Video sein. Jendrik hält die Kamera drauf, wenn wir die letzten Arbeiten machen. So kommen wir schneller voran – und meine vierjährige Tochter kann schneller mit aufs Baumhaus. Sie quengelt schon seit Monaten, wann ich ihr endlich die Aussicht zeige. Jetzt kann ich sagen: Bald, ganz bald. Versprochen.

Lucas

Mehr zum Macher

Schlösser aus Scherben und Schotter, Monsterflöße, mobile DJ-Pulte: Lucas Wahl hat schon viel gesehen. Und im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt. Als Fotograf ist er seit den ersten Stunden für MACHER unterwegs. Mit dem Bau-Tagebuch zeigt er zum ersten Mal vor der Kamera, dass er selbst auch ein Macher ist.

Wie es zum Baumhaus-Bau kam…

Als kleiner Junge baute ich mit einem Freund ein Baumhaus: Es wurde von den Nachbarskindern abgefackelt. Der Stachel saß tief, doch seit Juni ist Schluss damit: Ich baue an einem neuen Baumhaus, in jeglicher Hinsicht fernab vom Schema F. Schon der Baum, der trägt, ist gigantisch: 25 Meter hoch. Es könnte keinen besseren geben, für mein Projekt.

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