3. Eintrag:
Das Kuppeldach

Lucas baut ein Baumhaus – mit durchsichtigem Kuppeldach und Hängebrücke – und hält alles in seinem Bau-Tagebuch fest. Einmal im Monat dürfen wir mitlesen

Text: Erzählt von Esther Acason | Aufmacher: STYMKY © Timm Paulick |
Fotos: Florian Manz, Julius Schrank, Sebastian Heidelberger, Lucas Wahl

Liebes Bau-Tagebuch,

mein Baumhaus nimmt langsam Gestalt an. Nach der Hilfsplattform und dem Fundament habe ich jetzt das Kuppeldach vorbereitet. Absolutes Neuland für mich.

Eine geodätische Kuppel sollte es werden, bestehend aus Holzstangen, die zusammengesteckt werden und danach die Form von Dreiecken haben. Die Dreiecke wiederum werden eine Halbkugel ergeben. Das sei die stabilste Art der Kuppelkonstruktion, sagt man. Nicht umsonst benutzt man sie bei Gebäuden in der Arktis, wo es extrem windig ist. Und durch meinen Baum pfeift sicher auch mal eine steife Brise.

Als Verkleidung hatte ich mich für Platten aus Polycarbonat entschieden. Ursprünglich wollte ich Glas dafür nutzen. Doch Polycarbonat ist besser geeignet: Es ist biegsam und gleichzeitig sehr schlagfest. Auch ein herunterfallender Ast wird es nicht kaputt machen. Das hoffe ich zumindest.

Ich hatte viel im Vorfeld über den Bau recherchiert und herausgefunden: Man merkt erst, nachdem man alle Einzelteile vorbereitet hat, ob auch alles zusammenpasst. Also bloß keine Fehler machen! Als ob ich nicht schon nervös genug gewesen wäre, hatte ich bei diesem Arbeitsschritt akuten Helfermangel: Mein Schwager Kim hielt die Stellung, alle anderen Freunde, die mich sonst unterstützen, waren im Urlaub.

Mithilfe einer Internetseite hatte ich berechnen lassen, wie lang die einzelnen Stangen sein mussten. Dann wurde es monoton: Wir mussten 165 Stangen in vier unterschiedlichen Längen zurechtschneiden. Dann noch jeweils die Enden an beiden Seiten vorbohren und an jedes Stangenende einen kleinen Plastikstift schrauben, der später in das Verbindungstück aus Plastik gedrückt wurde.

Nach rund zwei Tagen waren wir damit endlich fertig. Weiter ging’s: Wir setzten die 165 Stangen mithilfe der Verbindungsstücke zu der Kuppel zusammen. Da den Überblick zu behalten war nicht leicht. Zum Glück stand mir Kim beiseite, tausend Dank! Nur rund 1 1/2 Stunden später – ging ganz schön fix – waren wir vollkommen platt, aber alle Teile passten – offenbar hatten wir ordentlich genug gearbeitet –, und die Kuppel ragte 2,30 Meter in den Himmel. Genau so groß, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Was jetzt noch fehlt? Die Verkleidung. Das Problem: Das Polycarbonat ist nicht rechtzeitig angekommen. Das Internet halt: Segen und Fluch.

Lucas Wahl, der sein eigenes Baumhaus in Nostorf baut, brauchte in seiner Werkstatt rund zwei Tage, um 165 Stangen Holz in vier unterschiedlichen Längen zurechtzuschneiden
Zwei Tage in der Werkstatt, um 165 Stangen in vier unterschiedlichen Längen zurechtzuschneiden. Diese Stangen sollten später, zu Dreiecken zusammengesetzt, das Kuppeldach ergeben
Baumhausbauer Lucas Wahl musste die Enden beider Seiten vorbohren und in jedes Stangenende einen kleinen Plastikstift schrauben, der sich dann in das Verbindungsstück aus Plastik drücken ließ
Die Enden an beiden Seiten der Holzstangen mussten vorgebohrt werden. In jedes Stangenende wurde ein kleiner Plastikstift geschraubt
Alle Stangen wurden mithilfe der in ihnen verschraubten Plastikstifte und eines Verbindungsstücks aus Plastik zusammengesetzt
Verbinden, was zusammengehört: Die Plastikstifte, in den Stangenenden verschraubt, wurden in das Verbindungsstück gedrückt
Lucas Wahls Schwager Kim half ihm besonders bei diesem Arbeitsschritt des Baumhaus-Baus, dem Zusammensetzen der Kuppelbestandteile
Langsam nahm die Kuppel Gestalt an: Zusammen mit Kim (li.), meiner großen Stütze, nicht nur bei diesem Arbeitsschritt
Nach letzten Anpassungen und rund 1 ½ Stunden Arbeit stand die Kuppelhülle für Lucas Wahls Baumhaus, das er in der Nähe von Hamburg baut, mit einem Durchmesser von 3,90 Meter und einer Höhe von ca. 2,30 Meter
Ein letzter Blick, ein letzter Handgriff, dann stand die Kuppelhülle, nach rund 1 ½ Stunden Arbeit. Durchmesser: 3,90 Meter. Höhe: ca. 2,30 Meter
Lucas Wahl saß nach dem dritten Arbeitsschritt auf dem Weg zum eigenen Baumhaus erschöpft, aber glücklich, in seinem Liegestuhl, über ihm die Kuppel. Im nächsten Schritt wird er Polycarbonat, ein extrem stabiles Plastik, in die noch leeren Flächen des Dachs einsetzen
Platt, aber glücklich: Noch kann es reinregnen, in mein Kuppeldach. Das wird sich mit Platten aus Polycarbonat, extrem stabil und zugleich biegsam, ändern. Das Einsetzen folgt im nächsten Arbeitsschritt

Im September wird das Baumhaus fertig sein – das ist zumindest der Plan. Bis dahin halte ich Dich, liebes Bau-Tagebuch, über die Fortschritte auf dem Laufenden. Bis zum nächsten Eintrag sind hoffentlich die Polycarbonatplatten da, und ich kann Dir die fertig verkleidete Kuppel zeigen. Außerdem braucht das Fundament noch seine Bodendielen und ein Geländer. Es steht also einiges an. Aber bald sind ja meine Helfer aus ihren Urlauben zurück.

Drück uns die Daumen, dass alles gut geht.

Lucas

Mehr zum Macher

Schlösser aus Scherben und Schotter, Monsterflöße, mobile DJ-Pulte: Lucas Wahl hat schon viel gesehen. Und im richtigen Moment auf den Auslöser gedrückt. Als Fotograf ist er seit den ersten Stunden für MACHER unterwegs. Mit dem Bau-Tagebuch zeigt er zum ersten Mal vor der Kamera, dass er selbst auch ein Macher ist.

Wie es zum Baumhaus-Bau kam …

Als kleiner Junge baute ich mit einem Freund ein Baumhaus: Es wurde von den Nachbarskindern abgefackelt. Der Stachel saß tief, doch seit Juni ist Schluss damit: Ich baue an einem neuen Baumhaus, in jeglicher Hinsicht fernab von Schema F. Schon der Baum, der trägt, ist gigantisch: 25 Meter hoch. Es könnte keinen besseren geben für mein Projekt.

1 Kommentar

  • perasi
    Vergess auf keinen Fall den Einbau einer Klimaanlage ! :)

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