Ein altes Bild der Brooklyn Bridge in New York;

Hausfrau baut Brooklyn Bridge

Vom Schwiegervater geplant, vom Ehemann begonnen, von ihr vollendet: Emily Warren Roebling, wahrscheinlich die erste Bauingenieurin der Welt, hat die Brooklyn Bridge fertiggestellt

Text: Catharina König | Foto: Getty Images

Für die männlichen Roeblings scheint ein Fluch auf dem Bau der Brooklyn Bridge zu liegen. Dabei fängt alles gut an. John August Roebling, Ingenieur und Brückenbauspezialist, eingewandert aus Mühlhausen in Thüringen, wird 1869 von der Stadt New York beauftragt, eine Brücke zu bauen. Sie soll Brooklyn quer über den East River mit Lower Manhattan verbinden. John August Roebling ist es, der die bahnbrechende Konstruktion einer Hängebrücke mit nur zwei Granitpfeilern entwickelt hat. Die dafür benötigten Stahlseile sind seine Erfindung. Doch bei einer Besichtigung der künftigen Baustelle quetscht er sich den Fuß und stirbt nur kurze Zeit später an einer Blutvergiftung.

Daraufhin wird sein Sohn Washington zum Chefingenieur und Bauleiter bestimmt. Sein Vater hat ihn angelernt, mit der Planung ist er bestens vertraut. Und er will bei vielem selbst anpacken. Im Fluss müssen sogenannte Caissons versenkt werden, gigantische Senkkästen aus Holz und Stahl. In ihnen wird das Fundament für die Brückenpfeiler hergestellt – damit kein Wasser eindringt, herrscht Überdruck. Doch was man zu dieser Zeit noch nicht weiß: Der fehlende Druckausgleich macht die Arbeiter krank – auch Washington Roebling. Die Taucherkrankheit lässt ihn zum Pflegefall werden. Teils erblindet und gelähmt, ist er nicht mehr in der Lage, den Bau vor Ort voranzutreiben.

Ein altes Foto vom Bau der Brooklyn Bridge in New York;

So steuert er die Bauleitung zunächst vom Bett aus, seine Frau übermittelt die Anweisungen an die Bauarbeiter. Doch schon bald ist ihm auch das nicht mehr möglich. Seine Frau springt ein. Elf Jahre lang beaufsichtigt sie den Bau des heutigen Wahrzeichens. Und sie wusste, was sie tat: Jahrelang hatte sie ihrem Schwiegervater und ihrem Mann über die Schulter geschaut. Sie wusste, wie die Stahlseile produziert wurden, und brachte sich im Selbststudium Mathematik, Materialkunde und Ingenieurstechnik bei. Die Belohnung: Als die Brücke 1883 fertig ist, überquert Emily Warren Roebling – Seite an Seite mit dem damaligen Präsidenten Chester A. Arthur – als Erste die Brooklyn Bridge. Es folgt eine Herde Zirkuselefanten. Die tonnenschweren Tiere sollen auch den letzten Skeptikern die Stabilität der neuartigen Konstruktion beweisen.

Jetzt kommentieren

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dieser Name steht später über Deinem Kommentar. Du kannst auch ein Pseudonym wählen.

* Pflichtfelder bitte ausfüllen